Alte Landkarten

Johannes Gigas

Die detailreichsten und genauesten frühen Karten des Bistums Münster schuf Johannes Gigas. Er verfolgte – nachvollziehbar, wenn man sich z. B. an der oben beschriebenen Karte des Hondius orientiert – den Ansatz, die Adressaten seiner Karten mit ihrem eigenen Land bekannt zu machen, wenn er im Vorwort zu seinem sogenannten Kölner Atlas von 1620 schrieb, dass es nach der Flut oft ungenauer Karten der Antwerpener und Amsterdamer Verleger nötig sei, neue und exaktere Karten einzelner Territorien anzufertigen, um das eigene Heimatland besser kennen zu lernen.

Johannes Gigas (latinisiert von Reese oder Riese) wurde um 1580/1582 in Lügde, einem Ort im Weserbergland südlich von Bad Pyrmont geboren. 1597 immatrikulierte er sich an der Universität Helmstedt. Nach Studienaufenthalten in Wittenberg, Basel, Padua und Rom promovierte er 1603 zum Doktor der Medizin in Basel. Noch vor seiner Promotion heiratete er 1603 in Metelen im Westmünsterland Maria von Dorsten. Wahrscheinlich stand er damals schon in Kontakt zum gräflich Bentheimischen Haus. 1607 wurde er von den Grafen von Bentheim als Professor für Mathematik und Medizin an die Hohe Schule in Burgsteinfurt berufen, und es wurde ihm 1609 ein Privileg zur Einrichtung einer Apotheke an der Schule erteilt. Mit der Apotheke gab es immer wieder Schwierigkeiten und schließlich verkaufte Gigas sie. Von 1610 bis 1613 war er Prorektor der Burgsteinfurter Schule, kam aber seinen Verwaltungsgeschäften nicht ordnungsgemäß nach und geriet privat in Schulden. 1614 kam es zu Streitigkeiten mit dem gräflichen Haus, und er wurde entlassen, hielt sich aber noch bis 1615 in Burgsteinfurt auf.

1615 oder 1616 trat er als Leibarzt in den Dienst des Kölner Erzbischofs Ferdinand von Bayern, der gleichzeitig auch Bischof von Münster, Lüttich und Hildesheim, seit 1618 auch von Paderborn war, und zog 1616 – erstaunlicherweise trotz seines Zerwürfnisses mit der gräflich Bentheimischen Familie – nach Münster in deren Stadthaus, den sog. Bentheimer Hof am heutigen Schlossplatz. Er trat zum katholischen Glauben über. Der genaue Zeitpunkt dafür ist bisher nicht feststellbar. Seine erste bekannte Karte, eine Schaukarte des Bistums Münster, schuf er 1616. Sein kartografisches Hauptwerk, ein Atlas der Territorien seines Dienstherren Ferdinand von Bayern, entstand 1620. 1622 wurde er Bürger der Stadt Münster. Bis 1631 bezog er als Leibarzt des Erzbischofs jährlich ein festes Gehalt. Sein Todesdatum ist nicht bekannt. Er wird um das Jahr 1637 gestorben sein.

Mit einer außerordentlich prächtigen Schaukarte, gedruckt bei Lambert Raesfeld in Münster 1616, präsentierte sich Johannes Gigas seinem neuen Dienstherrn, dem Kölner Erzbischof, Bischof von Münster, Lüttich und Paderborn als Kartograf. Ausdrücklich ist ihm die Karte gewidmet. Sie trägt den Titel „EPISCOPATVS MONASTERIENSIS DESCRIPTIO NOVA Ioan Gigante D Med et Mathem auctore“ (Neue Beschreibung des Bistums Münster, Verfasser Johannes Gigas, Doktor der Medizin und Mathematik) und ist 112 x 130 cm groß. Von ihr ist nur ein einziges Exemplar erhalten, dass sich im Hessischen Staatsarchiv Marburg befindet (Signatur P II 3837).

Das als Wandschmuck gedachte Werk, zusammengesetzt aus zehn Druckplatten und dem aus 15 Teilen zusammengefügten Ornamentrahmen, bietet dem Fürsten (und jedem Betrachter) weit mehr als eine Darstellung der Geografie des Landes: Der Rahmen aus Textfeldern, Wappen, allegorischen Darstellungen und Stadtansichten gibt landeskundliche Hinweise zur Beschaffenheit, Bevölkerung und Geschichte des Bistums, außerdem über die Leistungen der Bischöfe für ihr Territorium.

Aber auch die Karte selbst bietet Informationen, die den älteren Karten nicht zu entnehmen waren. Das Gewässernetz ist weit vollständiger. Ämtergrenzen sind eingetragen, ebenso die festen Burgen des Landes und viele Adelssitze. Besonders sorgfältig hat Gigas die Klöster berücksichtigt. An der Signatur ist erkennbar, ob es sich um ein Frauen- oder Männerkloster handelt und zu welchem Orden es gehört. Bei den Frauenklöstern wird genau unterschieden, ob ihre Insassinnen adlige Stiftsdamen oder Nonnen sind. Zu diesen Hinweisen, die den unterschiedlichen Signaturen zu entnehmen sind, kommen zu einigen Orten als Spezialität der Karten des Gigas noch kleine Texte, die Informationen zu historischen Ereignissen oder besonderen Gegebenheiten liefern.

Johannes Gigas gab seinem Landesherrn mit dieser Karte einen vielfältig nutzbaren Überblick über sein Herrschaftsgebiet.

 

Ansichten der Städte Coesfeld, Warendorf, Bocholt, Borken und Beckum

Kupferstich, 1616, unsigniert und undatiert; Platte beschnitten; Blatt: 28,4 x 14,4 cm; Stadtmuseum Münster, Inv. Nr. GR-3438-2

Kupferstich, 1616, unsigniert und undatiert; Platte beschnitten; Blatt: 28,4 x 14,4 cm; Stadtmuseum Münster, Inv. Nr. GR-3438-2

 

Das Fragment mit den fünf Stadtansichten stammt aus der Städtetafel des Rahmens der großen Schaukarte des Johannes Gigas von 1616. Sie zeigt Darstellungen der 13 landtagsfähigen Städte des Oberstiftes. Mit Ausnahme der Ansicht von Münster sind Vorbilder zu diesen Stadtansichten nicht bekannt. Sie scheinen extra für die Schaukarte angefertigt worden zu sein. Wahrscheinlich ist, dass diese aus zwei Druckplatten zusammengesetzte Städtetafel auch unabhängig von der Karte einzeln in den Handel kam.

 

PRODROMVS GEOGRAPHICVS hoc est ARCHIEPISCOPATVS COLONIENSIS ANNEXARVMQ ET VICINARVM ALIQVOT Regionum descriptio nova / IOANNE GIGANTE D. MED. Et Mathem. Authore. (Geografische Vorbemerkung, hier neue Beschreibung des Erzbistums Köln und der dazu gehörigen und einiger benachbarter Gebiete von Johannes Gigas, Doktor der Medizin und Mathematik)

Stadtmuseum Münster, Förderverein Stadtmuseum Münster e. V., Bibliothek, Inv. Nr. 3034

Stadtmuseum Münster, Förderverein Stadtmuseum Münster e. V., Bibliothek, Inv. Nr. 3034

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