Alte Landkarten

Christian Sgroten

Die nächstälteste Karte des Bistums Münster wurde von Christian Sgroten (oder s’Grooten oder Schrot u.a.) gezeichnet. Er war zu seiner Zeit einer der bekanntesten Kartografen, hoch geschätzt von seinem heute weit berühmteren Kollegen Gerhard Mercator. Geboren wurde er in Sonsbeck bei Xanten am Niederrhein um 1525/1530. Als Maler und Kartograf war er in Kalkar tätig, wo er 1603 auch starb. Um 1555 begann er mit der Kartierung des niederrheinischen Gebietes. Seit 1557 stand er mit hoher regelmäßiger Besoldung als Hofkartograf in den Diensten des spanischen Königs Philipp II. mit dem Auftrag, die niederländischen Provinzen und die benachbarten Territorien zu kartieren.

Die südlichen und nördlichen Niederlande waren damals noch Teil des Heiligen römischen Reiches Deutscher Nation und unterstanden dem spanischen Zweig der Habsburger. Als Philipp II. ab 1555 mit der Inquisition immer konsequenter gegen die seit der Reformation in den Niederlanden weit verbreiteten Anhänger der calvinistischen Religion vorging, kam es zu Aufständen, die schließlich in den 80-jährigen Krieg (1568–1648) um die Freiheit der Niederlande mündeten, da Spanien die außerordentlich wirtschaftskräftigen niederländischen Provinzen nicht aus seiner Oberhoheit entlassen wollte.

In dieser Situation war man in Madrid und am spanischen Statthalterhof in Brüssel natürlich an möglichst genauer Kenntnis der geografischen Verhältnisse in den aufständischen Provinzen interessiert, vor allem aber in ihren nordwestdeutschen Nachbarterritorien, von denen es in dieser Zeit noch kaum Kartenmaterial gab. Um Genauigkeit bemüht bereiste Sgroten mit seinen Messinstrumenten Nordwestdeutschland und geriet sogar einmal in den Verdacht der Spionage. Es entstanden als Sgrotens Hauptwerke zwei prächtige handgezeichnete Atlanten, 1572/1573 der „Brüsseler Atlas“ mit Karten des mitteleuropäischen Raumes und 1592 der „Madrider Atlas“ mit Weltkarten und Karten Europas. Beide Atlanten, später nach ihren Aufbewahrungsorten so benannt, wurden als kriegswichtige geheime Dokumente unter Verschluss gehalten und später vergessen. Über Jahrhunderte unbekannt, wurde der „Brüsseler Atlas“ 1859 wieder entdeckt, der „Madrider Atlas“ sogar erst 1892.

Die Karte des Bistums Münster im „Brüsseler Atlas“ (Größe des Originals 45 x 61 cm, Maßstab 1 : 230.000) ist nordorientiert, hat kein Gradnetz, zwei Meilenmaßstäbe und einen Wegstunden-Maßstab. Sie ist prächtig koloriert. Das eigentliche Thema der Karte ist das Hochstift Münster. Die benachbarten Territorien sind nur angedeutet. Neben bedeutenden Städten sind u.a. kleine und kleinste Orte, Klöster, Schlösser, Burgen und Brücken eingetragen und durch unterschiedliche Signaturen gekennzeichnet. Die Ortsbezeichnungen sind niederländisch. Die Wasserläufe, die das Gerippe der Karte bilden, sind unnatürlich stark geschlängelt. Über Geländeerhebungen geben farblich schön gestaltete „Maulwurfshügelsignaturen“ Auskunft. Bodenbedeckungen sind durch Baumgruppen charakterisiert.

Obwohl Sgroten Nordwestdeutschland selbst erkundet hat, enthält die Karte viele Fehler, die möglicherweise auf der Benutzung falscher Quellen – z.B. ältere Karten oder Koordinatentabellen –beruhen. Die Mängel der Karte werden aber aufgewogen durch ihre virtuose künstlerische Gestaltung.

 

WESTPHALIAE TOTIVS FINITIMARVMQVE REGIONVM ACCVRATA DESCRIPTIO
(Genaue Beschreibung ganz Westfalens und der angrenzenden Gebiete)

Kupferstich, alt koloriert, signiert „Christianus Schrot, Sonsb. Descripsit“ (Christian Sgroten aus Sonsbeck hat es beschrieben), 1579 datiert, Maßstab ca. 1:600.000; Platte: 34,5 x 49,8 cm; Blatt: 45,9 x 56,6 cm; Stadtmuseum Münster, Inv. Nr. GR-3514-2

Kupferstich, alt koloriert, signiert „Christianus Schrot, Sonsb. Descripsit“ (Christian Sgroten aus Sonsbeck hat es beschrieben), 1579 datiert, Maßstab ca. 1:600.000; Platte: 34,5 x 49,8 cm; Blatt: 45,9 x 56,6 cm; Stadtmuseum Münster, Inv. Nr. GR-3514-2

 

In seiner Funktion als Kartograf im Auftrag des spanischen Königs erstellte Christian Sgroten Anfang der 1560er Jahre eine Karte des Westfälischen Reichskreises, die auch gedruckt wurde. Von den ersten Ausgaben dieser Karte ist kein Exemplar erhalten. Die hier gezeigte verkleinerte Wiedergabe erschien in dem Additamentum II (Ergänzung II) der 1580 herausgebrachten neuen Ausgabe des „Theatrum“ des Abraham Ortelius.

Das Gerippe der Karte bildet das Gewässernetz. Die Wasserläufe der Karte sind unnatürlich stark geschlängelt, über Geländeform und Bodenbedeckung sagt die Karte nichts aus. Orte werden entsprechend ihrer Größe und Bedeutung unterschiedlich gekennzeichnet. Die Ortsnamen sind in deutscher oder flämischer Sprache bezeichnet. Ein Gradnetz ist nicht vorhanden, dafür ein dreifacher Meilenmaßstab. Die Himmelsrichtungen sind an den Kartenrändern in lateinischer Sprache mit Großbuchstaben angegeben. Die Territorialgrenzen erscheinen als gepunktete Linien, die Namen der Territorien sind deutsch-lateinisch in großer und gesperrter Schrift deutlich hervorgehoben. Auch bei dieser Karte unterstützt bei dem Exemplar des Stadtmuseums die per Hand nachträglich erfolgte Kolorierung die Übersichtlichkeit der Karte in Bezug auf die Territorien.

Die Rückseite ist bedruckt mit einem lateinischen Text über Westfalen, der mit dem – wie der Text sagt – häufig zitierten Sprichwort über diese Region endet: Hospitium vile, Cranck broot, dun bier, langhe mile, Sunt in Westphalia; Qui non vult credere, loop da. (Schlechte Herberge, grobes Brot, dünnes Bier, lange Meilen gibt es in Westfalen; wer es nicht glauben will, laufe da.)

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