Das Kiepenkerldenkmal

Ein Denkmal entsteht neu

Von Dr. Bernd Thier

Am 20. September 1953 – vor 60 Jahren – wurde das neue Kiepenkerldenkmal am Spiekerhof in Münster eingeweiht. Das Stadtmuseum Münster würdigte dieses Ereignis mit einer kleinen Ausstellung, in der die Geschichte des Denkmals sowie seine Bedeutung für Münster vorgestellt wurde.
Näheres siehe auch unter http://www.muenster.de/stadt/museum/archiv_96139.htm

Die wichtigsten Informationen finden Sie nachfolgend noch einmal zusammengefasst:

Das alte Kiepenkerldenkmal von 1896

Der Verschönerungsverein Münster plante bereits 1894 den Kiepenkerlen, den umherziehenden Händlern, die regionale Produkte mit einem einfachen Tragekorb vom Land in die Stadt brachten, und dort auf dem Markt verkauften, oder von Haus zu Haus zogen, ein Denkmal zu setzten.

Derartige Wanderhändler sind in Westfalen schon seit dem 15. Jahrhundert nachweisbar. Sie transportierten u.a. Eier, Milchprodukte, Geflügel und Gemüse in die Städte und von dort z.B. Kurzwaren in die Dörfer und auf die Bauernhöfe.

Das geplante Denkmal sollte die Einbindung der Stadt in das idyllische Umland und somit die noch ländliche Prägung Münsters zu Beginn der Großstadtwerdung versinnbildchen. In der Idealisierung eines vermeintlich typischen münsterischen „Originals“ sollte ein Gegenpol zur Industrialisierung geschaffen werden. Die Kiepenkerle waren zu jener Zeit jedoch kaum noch in Münster anzutreffen. Da Denkmäler meistens erst nach dem Tod bekannter Phänomene errichtet werden, war es ein „Abgesang“ auf eine endende Epoche.

Kiepenkerldenkmal

Das erst Kiepenkerldenkmal von 1896
Postkarte um 1900 (Stadtmuseum Münster)

Der münsterische Bildhauer August Schmiemann fertigte 1894 zwei unterschiedliche Entwürfe für ein Brunnendenkmal, von denen das Erste ausgeführt und 1896 am „Neuen Fischmarkt“, dem heutigen Spiekerhof, aufgestellt wurde. Es wurde später namengebend für das sogenannte Kiepenkerlviertel.

Das Kiepenkerldenkmal von 1896 auf dem Spiekerhoff, Postkarte um 1930

Das Kiepenkerldenkmal von 1896 auf dem Spiekerhoff
Postkarte um 1930
(Stadtmuseum Münster)

 

 

 

 

 

 

 

 

Den schweren alliierten Bombenangriff auf Münster vom 10. Oktober 1943 überstand das Denkmal inmitten von Trümmern unbeschadet. 1944 wurde diese Tatsache von den Nationalsozialisten für ein Propagandaplakat missbraucht.

Kiepenkerl, Oktober 1943

Das Kiepenkerldenkmal inmitten brennender Trümmer nach dem Bombenangriff vom 10. Oktober 1943
(Foto: Clemens Hülsbusch, Stadtmuseum Münster)

Plakat Kiepenkerl

Nationalsozialistisches Propagandaplakat von 1944
(Stadtmuseum Münster)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Im Verlauf des Einmarsches der alliierten Truppen 1945 wurde das nur aus Gips bestehende Denkmal zerstört. Wenige Trümmerreste waren 1950 noch auf dem Bauhof der Stadt vorhanden, die offenbar bald danach entsorgt wurden.

Der Wettbewerb zur Gestaltung eines „zeitgemäßen“ neuen Kiepenkerldenkmals 1948

Schon sehr schnell nach dem Ende des Krieges gab es Überlegungen, das zerstörte Denkmal wieder neu zu errichten. Die Niederdeutsche Bühne Münster hatte bei einem Gastspiel 3.000 Reichsmark eingenommen, die sie für einen Wettbewerb zur Errichtung eines neuen Kiepelkerlbrunnens auf dem Spiekerhof zur Verfügung stellte. Es sollte ein Kiepenkerl in „moderner Form“ entstehen, das Material und die Ausführung waren den Künstlern freigestellt. Als 1. Preis wurden 1.500 Reichsmark und als 2. Preis 1.000 Reichsmark ausgelobt. Die restlichen 500 Reichsmark sollten eventuell für den Ankauf weiterer Preise verwendet werden.

Zwölf Künstler reichten Entwürfe ein, den 1. Preis erhielt der Bildhauer Heinrich Bäumer (jun.) aus Münster, den 2. Preis der münsterische Architekt Werner Schlieckmann. Angekauft wurde außerdem der Entwurf des Bildhauers Arnold Schlick. Vom 18. bis 22. Juni 1948 wurden die zwölf Modelle im Kronleuchtersaal der Stadthalle ausgestellt. Am 20. Juni fand die Währungsreform statt, die ausgezahlten Preisgelder waren somit lediglich noch 150 bzw. 100 DM wert.

Kein Entwurf überzeugte die Jury, zu weiteren konkreten Planungen kam es vorläufig nicht. Alle Skizzen und Modelle sind heute offenbar verschollen, von keinem Denkmalentwurf ließ sich eine Abbildung finden. Somit ist nicht überliefert, welche „modernen“ Formen für die Darstellung des Kiepenkerls eventuell damals gefunden worden waren.

Die Neugestaltung des Kiepenkerldenkmals 1950 bis 1953

Der Bildhauer Albert Mazzotti sen. (1882–1951) wandte sich Anfang 1950 mit einem Bittbrief an den Oberbürgermeister und den Oberstadtdirektor von Münster. Er befände sich krankheitsbedingt und durch die Zerstörung seines Ateliers in einer wirtschaftlichen Notlage und brauche dringend einen Auftrag, z.B. für eine offizielle Plakette oder für ein Denkmal. Er könne z.B. ein Modell für das noch immer nicht realisierte neue Kiepenkerldenkmal ausführen.

Oberstadtdirektor Dr. Karl Zuhorn sagte ihm daraufhin im März die Realisierung dieses Denkmals zu. Im September legte Mazzottis ein Angebot vor. Das Modell der Kiepenkerlfigur sollte 3.000 DM, der spätere Bronzeguss etwa 6.000 DM kosten.

Am 2. Oktober 1950 beschloss der Kleine Rat der Stadt Münster die Neuschaffung, wobei die Frage nach dem Material der späteren Ausführung sowie der Standort des Denkmals noch offen blieben.

Bildhauer Mazzotti

Bildhauer Albert Mazzotti (jun.) bei der Arbeit am Modell für das neue Kiepenkerldenkmal in seinem Atelier im Dezember 1950
(Stadtmuseum Münster)

Albert Mazzotti war jedoch zu krank, um das Gipsmodell selbst zu fertigen. Er beauftragte den erfahrenen Bildhauer Heinrich Ostlinning damit, der es mit der Hilfe seines Sohns Albert Mazzotti jun. (1921–2008) bis Dezember 1950 fertigstellte. Im Februar 1951 verstarb Albert Mazzotti sen., sein Sohn koordinierte alle weiteren Arbeiten. Ein Standort für das künftige Denkmal war noch nicht gefunden, der Bebauungsplan für den Spiekerhof noch nicht erstellt worden.

 

 

Erst Anfang 1953 konkretisierten sich, auf Drängen von Albert Mazzotti jun. die Pläne für die Fertigstellung. Im März schlug er als Alternative einen Bronzeguss (für 7.100 DM) oder – wie bei dem alten Denkmal – eine Ausführung in verkupfertem Gips (für 4.600 DM) vor. Am 8. Juni 1953 beschloss der Hauptausschuss des Rates der Stadt Münster das Denkmal als Bronzeguss ausführen zu lassen.

Kiepenkerl

Aufstellen des neuen Kiepenkerldenkmals am Spiekerhoff am 16. September 1953
(Foto Albert Mazzotti jun., Stadtmuseum Münster)

 

 

 

Es wurde vor 60 Jahren im Rahmen der Münsterischen Heimattage am Sonntag, dem 20. September 1953, feierlich eingeweiht.


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.