Viktoria Luise und die ältesten Luftbilder der Stadt Münster

Der Besuch eines Zeppelins 1912

Von Dr. Bernd Thier

Das Stadtmuseum Münster besitzt in seiner Sammlung historischer Fotografien drei Aufnahmen vom Besuch und der Landung des Zeppelins Victoria Luise in Münster am 9. Juni 1912 (Abb. 1–3). Vor 100 Jahren war diese historische Begebenheit ein bedeutendes Ereignis, über das die Presse ausführlich berichtete.

Zeppelin Victoria Luise

Abb. 1 Fotopostkarte, Zeppelin Viktoria Luise über Münster am 9. Juni 1912, Stadtmuseum Münster, Inv. Nr. 1771.

Von einem leider unbekannten, wohl ortsansässigen Fotografen wurden umgehend für die münsterischen Bürgerinnen und Bürger zur Erinnerung an den Besuch dieses mächtigen Luftschiffes beschriftete Foto-Abzüge in Postkartengröße angefertigt, die bereits wenige Tage später versandt werden konnten. Offenbar wurden an jenem Tag aus der Frühzeit der Luftfahrtgeschichte während der Rundfahrt über der Stadt auch die ersten Luftaufnahmen von Münster angefertigt, von denen eine als gedruckte Postkarte hergestellt und vertrieben wurde.

Zeppelin LZ 11 Viktoria Luise

Das aus der Produktion von Ferdinand Graf von Zeppelin (1838–1917) in Friedrichshafen stammende Luftschiff Zeppelin (LZ) 11 hatte seine Jungfernfahrt am 14. Februar 1912. Der Passagierbetrieb des in Frankfurt stationierten Zeppelins wurde am 4. März aufgenommen, Fahrten führten hauptsächlich innerhalb Deutschlands u.a. nach Helgoland und Hamburg, aber auch bis Kopenhagen in Dänemark. Wie die Schwesterschiffe LZ 10 (Schwaben) und LZ 12 (Hansa) fuhr das 148 Meter lange Schiff für die Deutsche Luftschiffahrts Aktiengesellschaft (DELAG). Sein Durchmesser betrug 14 Meter, das Volumen 18.700 Kubikmeter, 18 wasserstoffgefüllte Gaszellen sorgten für den Auftrieb.

Zwischen zwei Maschinengondeln mit insgesamt drei je 145 PS starken Motoren für den Antrieb befand sich in der Mitte unter dem Schiff die luxuriös ausgestattete Passagierkabine für 20 Personen. Die durchschnittliche Reisegeschwindigkeit betrug etwa 60 km/h, die Höchstgeschwindigkeit 72 km/h. Eine Fahrt konnte etwa 10 bis 12 Stunden dauern, ehe Benzin und Öl neu geladen werden mussten. In dieser Zeit konnte das Luftschiff 800 bis 1.000 Flugkilometer zurücklegen, über dem Boden je nach Windrichtung 400 bis 1.500 km.

Siehe auch Zeppelinmuseum Friedrichshafen: http://www.zeppelin-museum.de

Benannt wurde das Luftschiff nach Prinzessin Viktoria Luise von Preußen (1892–1980), der Tochter von Kaiser Wilhelm II. (1959–1941, reg. 1888–1918) und Kaiserin Auguste Viktoria (1858–1921). Es war damals üblich die Giganten der Lüfte u.a. nach bekannten lebenden Persönlichkeiten zu benennen.

Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs musste die LZ 11 an das Deutsche Heer überstellt werden. Bis dahin hatte sie bei 489 Passagierfahrten insgesamt etwa 54.312 km zurückgelegt und 9.739 Personen (inklusive Besatzung) transportiert. Beim Einhallen auf dem Luftschiffhafen Liegnitz wurde sie am 8. Oktober 1915 zerstört.

Der Besuch am 9. Juni 1912 in Münster

Von Düsseldorf kommend traf Viktoria Luise am 9. Juni 1912 in Münster ein.

Zeppelin Victoria Luise

Abb. 2 Fotopostkarte, Zeppelin Viktoria Luise über Münster am 9. Juni 1912, Stadtmuseum Münster, Inv. Nr. 918.

Nach einem längeren Rundflug über die Stadt, bei der die Fotoaufnahmen (Abb. 1, 2), vermutlich u.a. vom Turm der Josefskirche an der Hammer Straße angefertigt wurden, landete sie auf dem Flugplatz auf der Loddenheide.

Zeppelin Victoria Luise

Abb. 3 Fotopostkarte, Zeppelin Viktoria Luise bei der Landung auf der Loddenheide am 9. Juni 1912, Stadtmuseum Münster, Inv. Nr. 917.

Der Besuch war vom münsterischen Luftschiffahrtsverein organisiert worden, die örtliche Presse würdigte ihn mit beeindruckenden Worten. Die Rede war vom stolzen Segler der Lüfte, vom Luftkreuzer, dem weißgrauen Torpedo der Lüfte und vom majestätischen Zeppelin. Schon bei der Überfahrt über Münster jubelten die Bürger dem Schiff, seiner Besatzung und den Passagieren zu, bei der Landung fanden sich zahlreiche Menschen auf der Loddenheide ein.

Zwei der drei Fotos der Sammlung des Stadtmuseums befinden sich in einem alten Postkartenalbum mit Karten aus Münster und Umgebung. Sie wurden von dem offenbar noch jungen Karl Gustav von Recklinghausen schon am 12. Juni, also bereits drei Tagen nach der Landung, an seine Mutter in Stolberg am Harz, als Postkarten gesandt. Auf die Karte von der Landung (Abb. 3) notierte er: „Liebe Mama, diese Karte zeigt dir das Zeppelinschiff Victoria Luise auf der Loddenheide. Die Grösse erkennst Du durch den Vergleich mit den unter dem Luftschiff stehenden Menschen. Es ist 30 m länger als der „Kaiser“, mit dem wir nach Westerland fuhren. Die Helmspitze des im Vordergrund haltenden Kürassiers zeigt auf die Passagierkabine, die ähnlich wie ein Speisewagen eingerichtet ist. Diese, wie die gleichzeitig eintreffende zweite Karte (Anm. Abb. 1) leg bitte in das Album Münster. – Mit herz. Gruss Gustav.“ Die Mutter erfüllte den Wunsch des Sohnes, das Album gelangte vor einigen Jahren in den Besitz des Stadtmuseums und damit die Karten wieder „an den Ort des Geschehens“ zurück.


Kommentare

Viktoria Luise und die ältesten Luftbilder der Stadt Münster — 3 Kommentare

  1. Hallo,

    Ich habe über 100 alte Glas-Trockenplatten mit hervorragender Qualität geschenkt bekommen. Etwa 3 davon zeigen „Viktoria Luise“ und ich würde sagen, sie sind in Münster entstanden. Könnt ihr das für mich mal verifizieren?

    Gruß

    Martin Schlüter

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