Infanterie-Regiment Nr. 13

Das Infanterie-Regiment Nr. 13 im Krieg

Das spätere Infanterie-Regiment Nr. 13 wurde in den Befreiungskriegen 1813 aufgestellt, an denen es bis 1815 teilnahm. In den Revolutionsjahren 1848/1849 wurde es zwar mehrfach zur Sicherstellung der Ordnung eingesetzt, kriegerische Auseinandersetzungen oder Verluste gab es zu jener Zeit jedoch nicht.

Nach fast 50 Jahren Frieden nahm es im Jahr 1864 mit 2.549 Soldaten an Feldzügen im Deutsch-Dänischen Krieg teil, u. a. an Schlachten in Eckernförde, Ravenskoppel, Rackebülle und beim Übergang auf die Insel Alsen. 12 Soldaten fielen.

Im Deutsch-Deutschen Krieg von 1866 war das Regiment der Mainarmee zugewiesen und an Gefechten u.. a. in Kissingen, Aschaffenburg, Tauberbischofsheim und Würzburg beteiligt, bei denen 21 Soldaten fielen.
Im Deutsch-Französischen Krieg 1870/1871 kämpften fast 3.200 Soldaten des Regiments u. a. bei Schlachten in Colombey-Nouilly, Metz, Vorges und St. Bris, von denen 106 fielen.

Abb.8 „Siegesgewisse Dreizehner“, Auszug des Regiments im August 1914 (nach: E. Schulte, Kriegschronik der Stadt Münster 1914/18, Münster 1930).

Abb.8 „Siegesgewisse Dreizehner“, Auszug des Regiments im August 1914 (nach: E. Schulte, Kriegschronik der Stadt Münster 1914/18, Münster 1930).

Besonders verlustreich war der Einsatz im Ersten Weltkrieg von 1914 bis 1918, u. a. im langen Stellungskrieg vor Verdun. Eingesetzt war das Regiment in Belgien und Frankreich, z.B. bei Lüttich, Namur, St. Quentin, Reims, Lille und Sedan.

Am 11. November 1918, dem Tag des Waffenstillstandes, befanden sich die meisten Batallione in der Champagne. Nach langen Fußmärschen und einer Zugfahrt kehrten die Überlebenden am 8. Dezember 1918 wieder nach Münster zurück. Ihnen wurde von der münsterischen Bevölkerung ein herzlicher Empfang bereitet. 4.213 Soldaten des Regimentes fanden innerhalb der vier Kriegsjahre den Tod.

Die Regiments-Uniformen im Laufe der Zeit

Die Uniformen des Regiments, das mehrfach seinen Namen und vielfach seine Standorte wechselte, wurden oft verändert, verbessert und ergänzt. Die Offiziere und Mannschaften der einzelnen Bataillone trugen je nach Dienstgrad unterschiedliche Ausführungen. So gab es zeitgleich verschiedene Uniformen nebeneinander. 1907 wurde die feldgraue Uniform für den Kriegseinsatz eingeführt, neben der die älteren Uniformen für den Alltag und für Paraden beibehalten wurden.

Abb.9 „Die Uniformen des Inf. Regt. Herwarth von Bittenfeld (1. Westf.) Nr. 13 von 1813–1913“, Jubiläumspostkarte 1913 (Stadtmuseum Münster, Foto: Stadtmuseum Münster).

Abb.9 „Die Uniformen des Inf. Regt. Herwarth von Bittenfeld (1. Westf.) Nr. 13 von 1813–1913“, Jubiläumspostkarte 1913 (Stadtmuseum Münster, Foto: Stadtmuseum Münster).

Zunächst trugen die Soldaten des 1. Bataillons 1813 graue Tuchjacken und graue Hosen sowie graue Tuchmützen mit Lederschirm und roten Streifen sowie der roten Nr. 1. Die anderen Bataillone behielten ihre alten Uniformen des Ostpreußischen Infanterie-Regiments und trugen blaue Röcke und Hosen sowie einen Filzschako. Das 1. Bataillon erhielt 1814 kurzzeitig auch Uniformen der verbündeten englischen Armee, z.B. den Filzschako mit ovalem Messingschild und Löwe sowie einen blauen Rock mit rotem Kragen. Ab 1815 trugen alle Batallione preußische Uniformen, wegen der im gleichen Jahr vollzogenen Umbenennung des Regiments wurden die Schulterklappen mit der Nr. 1 gegen solche mit der Nr. 13 ausgetauscht.

Zwischen 1816 und 1836 kam es zu zahlreichen Veränderungen an den Jacken, Hosen, Mützen und Details wie den Gürteln und den Knöpfen. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die Uniformen kaum noch verändert. Beim feierlichen Auszug des Regiments 1914 in den Ersten Weltkrieg trugen alle Soldaten die feldgraue Uniform mit Pickelhaube, die im Verlauf des Krieges ab 1916 durch einen Stahlhelm ersetzt wurde.

Die Fahnen des Regiments

Abb.10 Die Regimentsfahnen: Das Tuch der drei gleichen Fahnen, die den Bataillonen im Jahr 1815 verliehen wurde (links) und das Tuch der drei neuen Fahnen des I., II. und IV. Bataillons (rechts) –(nach: Carl W. von Blume, Geschichte des Infanterie-Regiments Herwarth von Bittenfeld (I. Westfälisches) Nr. 13 im 19. Jahrhundert. Berlin 1902).

Abb.10 Die Regimentsfahnen: Das Tuch der drei gleichen Fahnen, die den Bataillonen im Jahr 1815 verliehen wurde (links) und das Tuch der drei neuen Fahnen des I., II. und IV. Bataillons (rechts) –(nach: Carl W. von Blume, Geschichte des Infanterie-Regiments Herwarth von Bittenfeld (I. Westfälisches) Nr. 13 im 19. Jahrhundert. Berlin 1902).

1815 erhielten die drei Bataillone des Infanterie-Regiments Nr. 13 jeweils neue Fahnen. Sie zeigen den gekrönten preußischen Adler mit Schwert und viermal das Monogramm des Königs Friedrich Wilhelm III. (1770–1840). Die Truppenfahne ist ein wichtiges Feldzeichen, das von militärischen Einheiten als Kennzeichnung geführt wurde und einen hohen Stellenwert für die Soldaten besaß.

1897 bzw. 1899 zerbrachen die Stangen der Fahnen des II. bzw. I. Bataillons, so dass Kaiser Wilhelm II. ihnen jeweils eine neue Fahne verlieh. Diese wich in der Gestaltung von den ursprünglichen Ausführungen ab.
Die Regimentsfahnen wurden 1919 an das Zeughaus in Berlin abgegeben.

Erinnerung an die Dienstzeit im Infanterie-Regiment Nr. 13

Nachdem Westfalen 1815 endgültig als neue Provinz dem Königreich Preußen zugefallen war, wurde dort die allgemeine Wehrpflicht eingeführt. Zwischen zwei und drei Jahren hatten die Rekruten aktiv zu dienen, anschließend gehörten sie zwei Jahre in Ersatzbatallionen der Reserve an, danach als Reservisten bis zu ihrem 32. Lebensjahr der sogenannten Landwehr. In der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Landwehr den regulären Truppen eingegliedert.

Es galt als Ehre beim Militär für das Vaterland zu dienen. Soldaten, auch Reservisten, genossen hohes Ansehen. Für viele junge Männer vom Land war es das erste und oft auch das einzige Mal, dass sie während der Militärzeit länger von Zuhause fort waren. Beim Infanterie-Regiment Nr. 13 dienten vor allem Männer aus der Provinz Westfalen. Zur Erinnerung an ihre Dienstzeit wurden seit etwa 1870 Erinnerungsstücke hergestellt, die in der Heimat stolz in der guten Stube präsentiert wurden. So entstanden personalisierte Pfeifen mit Porzellanköpfen, Bierhumpen, Gläser, Feldflaschen, Reitgerten und Fotos des Regimentes, auf denen der Name des künftigen Reservisten oder die Namen seiner gesamten Kompanie angebracht waren.

Abb.11 „Gruss aus der Garnison“, Postkarte um 1910 (Stadtmuseum Münster, Foto: Stadtmuseum Münster).

Abb.11 „Gruss aus der Garnison“, Postkarte um 1910 (Stadtmuseum Münster, Foto: Stadtmuseum Münster).

Während der Militärzeit ließen die Soldaten oft auch patriotische Widmungsgeschenke für die Eltern in der Heimat anfertigen, z.B. Porzellantassen, Aschenbecher oder Pfeifen für den Vater bzw. Tassen oder Butterdosen für die Mutter. Diese Objekte zeigen oft Bilder aus dem Soldatenalltag, ergänzt mit Aufschriften und Sprüchen über deren Pflichten und Sehnsüchte. Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges 1914 endete dieser Brauch.

Andere Erinnerungsstücke wie Festschriften, Medaillen und Abzeichen wurden anlässlich von Jubiläen des 1813 gegründeten Regiments herausgegeben, so 1838, 1863 und 1888. Besonders die 100-Jahrfeier 1913 wurde in Münster mit Aufmärschen und Paraden mehrere Tage lang gefeiert.

Viele ehemalige Soldaten schlossen sich im Verein „Alte 13er“ zusammen und trafen sich regelmäßig, auch nach Auflösung des Regiments, zu sogenannten Regiments-Appellen. Die letzte große Veranstaltung dieser Art fand 1938 zum 125. Bestehen des Regiments auf dem damaligen Hindenburgplatz vor dem Schloss in Münster statt.

Weiterführende Literatur (Auswahl):

Cramer, Felix: Geschichte des Königlich Preussischen Ersten Westfälischen Infanterie-Regiments Nro. 13. Münster, 1868.

Dethlefs, Gerd: „Soldaten und Bürger: Münster als Festung und Garnison“. Geschichte original- am Beispiel der Stadt Münster 10. Münster 1983, S. 1–17.

Dethlefs, Gerd und Galen, Hans: Friedensreiter und Sendschwert: Bürger und Soldaten. Münster 1995, S. 44–70.

Gescher: Geschichte des I. Westfälischen Infanterie-Regiments Nr. 13 während des Feldzuges gegen Frankreich 1870/71 nebst einer kurzen Übersicht über die Jahre 1872/79. Münster 1880.

Groos, Carl und von Rudloff, Werner: Infanterie-Regiment Herwarth von Bittenfeld (I. Westfälisches) Nr. 13 im Weltkriege 1914-1918. Berlin 1927.

Klüting, Hermann: Soldaten in Westfalen und am Niederrhein: Das Königliche Preußische VII. Armeekorps. Beckum 1982.

Korpskommando I. Korps: 30 Jahre I. Korps 1956-1986: Geschichte und Chronik der Heeresverbände im nordwestdeutschen Raum. Osnabrück 1986, S. 1–27.

Lammers, Joseph: „Die Garnisonstadt Münster- Militärische Anlagen und Städtebau“ In: Militärbauten und Denkmalpflege. Mühlheim am Ruhr 1998, S. 67–80.

Schoene, Heinrich: Unter dem Siegesbanner der Dreizehner: Das Infanterie-Regiment Herwarth v. Bittenfeld (I. Westfälisches) Nr. 13 in den Kriegen 1813–1871, Münster 1913.

Senger und von Ettelin, Ferdinand M.: Soldaten zwischen Rhein und Weser: Heeresgeschichte in Nordrhein-Westfalen von den Anfängen der stehenden Heere bis zur 7. Panzergrenadierdivision der Bundeswehr. Koblenz 1980.

von Basse, Julius und von Kleinsorgen, Karl: Stamm-Liste des Infanterie-Regiments Herwarth von Bittenfeld (I. Westfälisches) Nr. 13. Münster, 1900.

von Blume, Carl W.: Geschichte des Infanterie-Regiments Herwarth von Bittenfeld (I. Westfälisches) Nr. 13 im 19. Jahrhundert. Berlin 1902.

von Pusch, Hermann: Denkschrift zur Erinnerung an die 100jährige Jubelfeier des Inf.-Rgts. Herwarth von Bittenfeld (I. Westf.) Nr. 13 am 2.–4. Juli 1913. Münster 1913.

von Tabouillet, F.: Die Dreizehner in Feindesland: Kriegsbilder aus dem Feldzuge des Jahres 1866. Münster 1866.

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