Alte Landkarten

 

EPISCOPATVS MONASTERIENSIS PARS AUSTRALIS
(Bistum Münster, südlicher Teil) aus dem Atlas des Johannes Gigas

Kupferstich und Radierung nach Johannes Gigas, um 1620/1621, unsigniert und undatiert; Platte: 37,5 x 48 cm; Blatt: 41 x 51,8 cm

Kupferstich und Radierung nach Johannes Gigas, um 1620/1621, unsigniert und undatiert; Platte: 37,5 x 48 cm; Blatt: 41 x 51,8 cm

 

EPISCOPATVS MONASTERIENSIS PARS SEPTENTRIONALIS
(Bistum Münster, nördlicher Teil) aus dem Atlas des Johannes Gigas

Kupferstich und Radierung nach Johannes Gigas, um 1620/1621, unsigniert und undatiert; Platte: 38,2 x 47,8 cm; Blatt: 41 x 52 cm

Kupferstich und Radierung nach Johannes Gigas, um 1620/1621, unsigniert und undatiert; Platte: 38,2 x 47,8 cm; Blatt: 41 x 52 cm

Die beiden Karten des Bistums Münster – südlicher und nördlicher Teil – aus dem Atlas des Johannes Gigas sind nordorientiert, haben ein Gradnetz und einen Wegstundenmaßstab („Itinera horaria – Uhren gaens“). Der Maßstab ist 1:250.000. Die Himmelsrichtungen sind auf den Kartenrändern in lateinischer Sprache angegeben. Grenzen von Territorien und Ämtern sind als gepunktete Linien eingetragen. Für Geländeerhebungen stehen die „Maulwurfshügel“ und die Bodendeckung ist durch Baumsignaturen gekennzeichnet. Gegliedert werden die Karten vom Gewässernetz. Orte sind je nach Bedeutung mit unterschiedlichen Signaturen eingetragen. Typographisch unterscheiden sie sich voneinander: Namen der an das Bistum Münster angrenzenden Territorien, Namen der einzelnen Ämter des Bistums, Namen großer Orte, Namen kleiner Orte. In einem Punkt bieten diese Karten mehr Informationen als die Schaukarte von 1616, die als kartografische Vorlage für die beiden Blätter des Atlas diente: In diesen Karten sind wichtige Fernstraßen eingetragen, eine Neuheit für Karten dieser Zeit. Hier wird noch einmal die Absicht Gigas’ deutlich, auf seinen Karten möglichst viele Informationen zu der abgebildeten Region zu geben.

Wie auf der Schaukarte von 1616 sind auch auf diesen beiden Blättern die Klöster mit unterschiedlichen Signaturen eingetragen und ermöglichten dem geistlichen Landesherren einen genauen Überblick über die Ordensniederlassungen in seinem Territorium.

 

[EPI]SCOPATVS MONASTERIENSIS PARS AVSTRALIS AVCTORE IOANNE GIGANTE D MEDICO ET MATH[M]
(Bistum Münster, südlicher Teil, Verfasser Johannes Gigas, Doktor der Medizin und Mathematik)

Kupferstich, alt koloriert, um 1625, undatiert; Platte beschnitten; Blatt: 45,3 x 53,8 cm; Stadtmuseum Münster, Inv. Nr. GR-3388-2

Kupferstich, alt koloriert, um 1625, undatiert; Platte beschnitten; Blatt: 45,3 x 53,8 cm; Stadtmuseum Münster, Inv. Nr. GR-3388-2

 Die Karte entspricht in Gliederung und Signaturen der Karte des südlichen Teiles des Bistums Münster aus dem Atlas. Nur auf die Einzeichnung der Straßen hat Johannes Gigas hier verzichtet.

Lange war nur ein Exemplar dieser Karte bekannt, das sich im LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster als Altbesitz des Altertumsvereins befindet. Es ist oben beschnitten, so dass die Titelleiste fehlt. Diese Karte konnte Gigas bisher nur zugeschrieben werden. Das zweite Exemplar der Karte, das das Stadtmuseum 2009 erwerben konnte, hat die Titelleiste, die die Autorschaft des Gigas sichert, dafür ist sie rechts und links leicht beschnitten.

Zu welchem Zweck Gigas diese Karte drucken ließ, ist nicht bekannt. Vielleicht wollte er eine Neuauflage des Atlas’ herausbringen, und das Projekt blieb dann in den Anfängen stecken.

Auch die sorgfältigen und übersichtlichen Karten des Johannes Gigas wurden im 17. Jahrhundert und darüber hinaus immer wieder in die Kartenwerke niederländischer Verleger aufgenommen, teilweise mit Angabe des Autors, teilweise ohne. Hier soll zum Schluss nur ein Beispiel dieser Nachstiche vorgestellt werden:

 

MONASTERIENSIS Episcopatus
Auctore Joh. Gigante Medico et Mathematico
(Bistum Münster, Verfasser Johannes Gigas Arzt und Mathematiker)

Kupferstich, alt koloriert, erschienen bei Willem Janszoon Blaeu, 1635, undatiert, Maßstab ca. 1:400.000; Platte: 37,3 x 49,3 cm; Blatt: 51,1 x 59,8 cm; Stadtmuseum Münster, Inv. Nr. GR-0458-2

Kupferstich, alt koloriert, erschienen bei Willem Janszoon Blaeu, 1635, undatiert, Maßstab ca. 1:400.000; Platte: 37,3 x 49,3 cm; Blatt: 51,1 x 59,8 cm; Stadtmuseum Münster, Inv. Nr. GR-0458-2

Die westorientierte Karte fasst die beiden Teilkarten des Gigas – südlicher und nördlicher Teil des Bistums Münster – zusammen. Sie hat ein Gradnetz, einen Meilenmaßstab und einen Wegstundenmaßstab. Bodenerhebungen sind mittels wenig differenzierter „Maulwurfshügelsignaturen“, Bodenbedeckung durch verstreute Baumsignaturen angedeutet. Einzig Moorflächen sind deutlich erkennbar herausgehoben. Unten links hat die Karte eine kleine Legende.

In der Kartusche oben rechts ist als Autor der Karte Johannes Gigas angegeben, in einem kleinen Rahmen unten links, dass sie bei Willem Janszoon Blaeu erschienen ist, einem Amsterdamer Kartografen und Verleger, der sein Kartenwerk „Theatrum Orbis Terrarum, sive Atlas Novus“ (Schauplatz / Abbild der ganzen Welt oder Neuer Atlas)1635 zum ersten Mal herausbrachte.

Alle hier vorgestellten Karten wurden vom Stadtmuseum Münster in der Ausstellung „Das ganze Land auf einen Blick – Frühe Karten des Bistums Münster“ vom 10. Mai bis zum 7. September 2014 gezeigt.

 

Literatur:

Joseph Prinz, Die ältesten Landkarten, Kataster- und Landesaufnahmen des Fürstentums Osnabrück, Teil I, in: Mitteilungen des Vereins für Geschichte und Landeskunde von Osnabrück, Bd. 63, 1948, S. 251 – 302.

Josef Engel, Karten des westfälischen Raumes aus dem 16. Jahrhundert. Eine kritische Besprechung mit Untersuchungen über die Genauigkeit der Karten, in: Westfälische Forschungen, Bd. 10, 1957, S. 99 – 120.

Hans Mortensen und Arend Lang (Hg.), Die Karten deutscher Länder im Brüsseler Atlas des Christian s’Grooten, Göttingen 1959.

Paul Casser, Die Schaukarte des Fürstbistums Münster von Dr. Johann Gigas, gedruckt bei Lambert Raesfeld im Jahre 1616, in: Josph Prinz (Hg.), Ex officina literaria. Beiträge zur Geschichte des westfälischen Buchwesens, Münster 1968, S. 209 – 226.

Hans Kleinn, Johannes Gigas (Riese), der erste westfälische Kartograph und sein Kartenwerk, in: Westfälische Forschungen, Bd. 31, 1981, S. 132 – 147.

E. Krames, Geschichtlicher Abriß der Entwicklung der Geländedarstellung, in: Walter Sperling, Dieter Ahrens, Wege aus der Vergangenheit, Ausstellungskatalog Trier 1981.

Hans Jürgen Warnecke, Johannes Gigas. Neue Daten und Funde zu seinem Leben und Schaffen, in: Westfälische Forschungen, Bd. 31, 1981, S. 147 – 153.

Hans Joachim Behr, Von den Peutingerschen Tafeln zum topographischen Kunstwerk: Bedeutung alter Landkarten, in: Hans Joachim Behr, Franz-Josef Heyen (Hg.), Geschichte in Karten. Historische Ansichten aus den Rheinlanden und Westfalen, Düsseldorf 1985, S. 11 – 38.

Karl-Heinz Kirchhoff, Der Ornamentrahmen der Gigas-Karte (Münster 1616) und des Alerdinck-Planes (Münster 1636), in Westfalen, Bd. 65, 1987, S. 1 – 15.

Stadt Lügde (Hg.), In memoriam Johannes Gigas. Doktor der Medizin und Mathematik, Kartograph und Astronom.1582 – 1637, Lügde 1992.

Gerhard Mercator. Europa und die Welt, Ausstellungskatalog Kultur- und Stadthistorisches Museum Duisburg, Duisburg 1994.

Rienk Vermij (Hg.),Gerhard Mercator und seine Welt, Duisburg 1997.

Kultur- und Stadthistorisches Museum der Stadt Duisburg (Hg.), Die Welt des Gerhard Mercator. Karten, Atlanten und Globen aus Duisburg, Duisburg 2006.

Peter H. Meurer, Die Manuskriptatlanten Christian Sgrootens, Kartenmappe und Kommentarband, Alphen aan den Rijn 2007.

Werner Bergmann (Hg.), Johannes Gigas: Prodromus Geographicus hoc est archiepiscopatus Coloniensis annexarumque et vicinarum aliquot regionum descriptio nova. Neue Beschreibung des Erzbistums Köln und seiner angrenzenden Gebiete. Der erste Atlas Nordrhein-Westfalens aus dem Jahr 1620, Bottrop 2012.

 

 

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