Alte Landkarten

Heinrich Nagel

Habes hic candide lector exactam Westphaliae descriptionem …
(Hier hast du, werter Leser, die genaue Beschreibung Westfalens …)

Kupferstich, gezeichnet von Heinrich Nagel, gestochen von Johann Bussemacher, signiert und datiert 1590; Platte: 18,5 x 27,2 cm; Blatt: 26,1 x 34,4 cm; Stadtarchiv Münster, Signatur K 5

Kupferstich, gezeichnet von Heinrich Nagel, gestochen von Johann Bussemacher, signiert und datiert 1590; Platte: 18,5 x 27,2 cm; Blatt: 26,1 x 34,4 cm; Stadtarchiv Münster, Signatur K 5

Die Tätigkeit des Entwerfers dieser Karte, Heinrich Nagel, ist von 1590 bis nach 1600 nachweisbar. Sonst ist nichts über ihn bekannt. Seit ca. 1590 war er Mitarbeiter des von 1587 bis 1604 in Köln tätigen historisch-geografischen Schriftstellers Matthias Quad. 1592 gab Quad zusammen mit dem Kupferstecher, Verleger und Buchdrucker Johann Bussemacher einen kleinformatigen Atlas mit dem Titel „Europae totius terrarum partis praestantissimae, universalis et particularis descriptio“ (Vortrefflichste Beschreibung aller Länder Europas, sowohl im Ganzen als auch in Teilen) heraus. Eine weitere Auflage erschien 1594. Für diesen Atlas zeichnete Heinrich Nagel neben anderen Karten diese 1590 datierte Westfalenkarte, die von Johann Bussemacher gestochen wurde. Der Atlas von Quad und Bussemacher ist ein typischer Vertreter für kleinformatige Kartensammlungen, die in dieser Zeit in größerer Zahl erschienen und den Bedarf eines offenbar interessierten, aber weniger zahlungskräftigen Publikums deckten.

Die Karte ist ostorientiert, mit drei Meilenmaßstäben versehen, aber ohne Gradnetz. Die Bezeichnungen der Himmelsrichtungen stehen in deutscher Sprache an den Kartenrändern. Die Auswahl des eingezeichneten Gewässernetzes entspricht jener der Karte von Gottfried Maschop aus dem Jahr 1568. Nur wenige Hügelsignaturen deuten Geländeerhebungen an, einige Baumsignaturen weisen auf Bodenbedeckung durch Wälder hin. Es sind viele Orte eingezeichnet und diese in ihrer Größe und Bedeutung durch unterschiedliche Signaturen und differenzierte Schriftgrößen kenntlich gemacht. Die Territoriengrenzen sind mit gepunkteten Linien angegeben, die Namen der Territorien – in deutscher Sprache – unterscheiden sich in Größe und Typographie von den anderen Bezeichnungen. Insgesamt wirkt aber die kleine Karte durch die verhältnismäßig großen Schrifttypen überladen und unübersichtlich.

Die Rückseite ist mit einem beschreibenden lateinischen Text bedruckt.

 

Gerhard Mercator

Der berühmteste Kartograf der frühen Neuzeit, Gerhard Mercator, wurde am 5. März 1512 in Rupelmonde (Ostflandern) geboren. Von 1530 bis 1532 studierte er an der Universität Löwen. 1541 brachte er einen Erdglobus heraus, der sich gut verkaufte. Einer Anklage wegen Ketzerei 1544 folgte eine kurze Haftzeit. 1552 verließ er Flandern, als der klevische Herzog Wilhelm die Gründung einer Universität plante und ihm eine Professorenstelle anbot, und zog mit seiner Familie nach dem von religiöser Toleranz geprägten Duisburg. Zwar kam die Universitätsgründung nicht zu Stande, aber ein akademisches Gymnasium wurde aufgebaut, an dem Mercator 1559 bis 1561 Mathematik und Kosmografie lehrte. 1563 ernannte ihn Herzog Wilhelm zu seinem Kartografen.

Mercators berühmtestes Werk, der „Atlas sive Cosmographicae meditationes de fabrica mundi et fabricati figura“ sollte – wie der Titel „Atlas oder kosmografische Überlegungen über die Erschaffung der Welt und die Form des Geschaffenen“ aussagt – viel mehr werden als eine umfangreiche Kartensammlung, wurde aber nie vollendet. Nur den als ursprünglich fünfter Teil des ganzen Werkes vorgesehenen, die Erde beschreibenden Kartenband, schloss er fast ab. Die Publikation begann 1578 mit einer Ausgabe der verbesserten antiken Karten des Ptolemäus. Es folgten in drei weiteren Lieferungen 1585 16 Karten von Frankreich und der Schweiz, 9 Karten der Niederlande und 26 Karten deutscher Länder, schließlich 1589 noch 22 Karten von Italien, dem Balkan und Griechenland. Als Mercator am 2. Dezember 1594 starb, waren weitere 29 Karten der Britischen Inseln und von Nordost- und Osteuropa fertig. Sein Sohn Rumold ergänzte das Kartenwerk durch eine Weltkarte, eine Karte von Europa sowie Karten von Afrika, Asien und Amerika und gab das Gesamtwerk seines Vaters 1595 in einer vollständigen Ausgabe heraus.

1604 verkauften Mercators Erben die Kupferplatten an den Amsterdamer Kupferstecher, Kartografen und Verleger Jodocus Hondius, der ab 1606 den Atlas Mercators in ständig überarbeiteten Auflagen herausgab. Der Atlas war so erfolgreich, dass er bereits 1607 zum ersten Mal als verkleinerte Ausgabe erschien.

 

Westfalia secunda tabula
(zweite Westfalenkarte)

Aus: Gerhard Mercator, Atlas sive Cosmographicae meditationes de fabrica mundi et fabricati figura, Duisburg 1595, Faksimile, Coron-Verlag 1978; Maßstab ca. 1:560.000 bis ca. 1:580.000, Maße aufgeschlagen: 45,5 x 69,5 cm; Kultur- und Stadthistorisches Museum Duisburg, KSM 79:10; (Abbildung mit freundlicher Genehmigung des Kultur- und Stadthistorischen Museums Duisburg)

Aus: Gerhard Mercator, Atlas sive Cosmographicae meditationes de fabrica mundi et fabricati figura, Duisburg 1595, Faksimile, Coron-Verlag 1978; Maßstab ca. 1:560.000 bis ca. 1:580.000, Maße aufgeschlagen: 45,5 x 69,5 cm; Kultur- und Stadthistorisches Museum Duisburg, KSM 79:10; (Abbildung mit freundlicher Genehmigung des Kultur- und Stadthistorischen Museums Duisburg)

Das Bistum Münster findet sich im Kartenwerk des Gerhard Mercator auf der zweiten Westfalenkarte (Westfalia secunda tabula). Die Karte ist nordorientiert und hat an den Rändern das Gradnetz und unten rechts einen einfachen Meilenmaßstab. Die Angabe der Himmelsrichtungen befindet sich in lateinischer Sprache an den Kartenrändern. Das Gerippe wird von einem sehr detaillierten Gewässernetz gebildet. Die meisten Ortschaften sind als Kreise eingetragen, nur wenige größere oder wichtige Orte haben Ansichtssignaturen. Typografisch werden große und kleine Orte nicht voneinander unterschieden. Bodenerhebungen werden durch die damals üblichen „Maulwurfshügel“ gekennzeichnet, an einigen Stellen gibt es Signaturen für die Bodenbedeckung wie Wälder und Moore. Die Grenzen der Territorien sind als feine gestrichelte Linien eingetragen, ihre Namen (lateinisch) durch größere Schrift hervorgehoben. Durch den sehr sparsamen Einsatz unterschiedlicher Signaturen, Schriftgrößen und -arten wirkt die Karte ruhig und außerordentlich übersichtlich.

Wie kein anderer deutscher Kartograf dieser Zeit hat Mercator alle ihm erreichbaren Quellen für seine Karten benutzt und war durch mathematische Berechnungen um Genauigkeit im Gradnetz bemüht. Trotzdem weisen auch seine Karten Ungenauigkeiten auf.

 

Westfaliae tabula. II.
aus: Atlas Minor Gerardi Mercatoris à J. Hondio plurimis aenais tabulis auctus atque illustrates
(verkleinerter Atlas des Gerhard Mercator, von J. Hondius um viele in Kupfer gestochene Karten vermehrt und verlegt)

Gestochen und herausgegeben von Jodocus Hondius in Amsterdam 1607; Vertrieben auch von Cornelis Claesz. und Johannes Janssonius in Arnheim.; Kultur- und Stadthistorisches Museum Duisburg, KSM 53:75; (Abbildung mit freundlicher Genehmigung des Kultur- und Stadthistorischen Museums Duisburg)

Gestochen und herausgegeben von Jodocus Hondius in Amsterdam 1607; Vertrieben auch von Cornelis Claesz. und Johannes Janssonius in Arnheim.; Kultur- und Stadthistorisches Museum Duisburg, KSM 53:75; (Abbildung mit freundlicher Genehmigung des Kultur- und Stadthistorischen Museums Duisburg)

 

Die prächtigen großen Atlanten waren teuer und erwiesen sich auf Reisen als unhandlich. Deshalb wurden kleinere Kartensammelwerke im Taschenformat produziert. Außerdem waren die rückseitigen lateinischen Texte nur für Gelehrte, nicht aber für Kaufleute verständlich. Deshalb erschienen sowohl die großen als auch die kleinen Atlanten sehr bald mit Rückentexten in verschiedenen Landessprachen.

Selbstverständlich litt die Qualität der Karten erheblich, wenn sie in verkleinertem Maßstab nachgestochen wurden. Das macht der Vergleich zwischen der Westfalenkarte aus dem großen Atlas des Gerhard Mercator mit der nach diesem Vorbild ohne Kenntnis des Landes nachgestochenen Karte aus dem „Taschenatlas“ des Jodocus Hondius ganz deutlich: So sind weniger bedeutende Orte weggelassen. Allerdings sucht man sogar – das wohl aus Versehen vergessene – Osnabrück, die Hauptstadt des gleichnamigen Bistums, vergeblich. Die bei Mercator deutlich eingezeichneten Heide- und Moorgebiete werden hier wie Territorien mit gestrichelten Linien begrenzt, bleiben aber unbenannt, werden also zur Terra incognita und lassen den Betrachter (oder Reisenden) ratlos ob ihrer Bedeutung.

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