Alte Landkarten

Die beiden Brüder Johann und Lukas van Doetechum arbeiteten als Stecher im Auftrag von Gerard de Jode, Kupferstecher, Kartograf und Verleger in Antwerpen (geb. 1509 oder 1517 in Nimwegen, gest. 25. Februar 1591 in Antwerpen), der seit 1560 in schneller Folge Karten der wichtigsten Länder herausgab. 1573 fasste er die Karten nach dem Vorbild seines ärgsten Antwerpener Konkurrenten Abraham Ortelius in einem Weltatlas unter dem Titel „Speculum orbis terrarum“ (Spiegel / Abbild der ganzen Welt) zusammen, der 1578 noch einmal aufgelegt wurde. Die Atlanten de Jodes verkauften sich aber nicht so gut wie die des Ortelius.

Die Karte ist ostorientiert, mit drei Meilenmaßstäben versehen, aber ohne Gradnetz. Ein Gewässernetz gliedert die Karte. Über Geländeerhebungen und Bodenbedeckung geben nur wenige Signaturen Auskunft. Die Orte sind durch unterschiedliche Signaturen und Schriftarten in ihrer Größe und Bedeutung charakterisiert. Territoriengrenzen sind als feine gepunktete Linien eingetragen. Die Namensangaben für die Territorien unterscheiden sich in Größe und Typographie deutlich von den Ortsnamen. Sie sind in deutscher Sprache abgefasst und korrekt, während die Ortsnamen meist nicht richtig sind. Möglicherweise hat Gottfried Maschop das von ihm kartierte Gebiet nicht gut gekannt, oder der flämische Stecher der zweiten Auflage der Karte, Remigius Hogenberg, hat die Namen nach seiner Sprache umgeändert. Die Brüder van Doetechum sind nicht verantwortlich für die verderbten Ortsnamen, da sie in dieser Form auch auf der von Ortelius herausgegebenen Maschop-Karte erscheinen. Die Textkartusche unten links – in lateinischer Sprache – fasst beide Bistümer unter dem Namen „Westfalen“ zusammen und gibt Hinweise zur geografischen Lage und zur Geschichte des Gebietes. Auffallend ist dabei, dass die Bemerkungen zur Geschichte nach jüdischer Zeitrechnung angegeben sind.

Die Rückseite ist mit einem lateinischen Text über Westfalen bedruckt.

MONASTERIENSIS ET OSNABVRGENSIS EPISCOPATVS DESCRIPTIO.
Auctore Godefrido Mascop Embricense
(Beschreibung der Bistümer Münster und Osnabrück, Verfasser Gottfried Maschop aus Emmerich)

Kupferstich, alt koloriert, unsigniert und undatiert, aus dem Atlas „Theatrum Orbis Terrarum“ (Schauplatz / Abbild der ganzen Welt) des Abraham Ortelius 1570, Maßstab ca. 1:500.000; Platte: 36 x 25,5 cm; Blatt: 44,4 x 30,1 cm; Stadtmuseum Münster, Inv. Nr. GR-0454-2

Kupferstich, alt koloriert, unsigniert und undatiert, aus dem Atlas „Theatrum Orbis Terrarum“ (Schauplatz / Abbild der ganzen Welt) des Abraham Ortelius 1570, Maßstab ca. 1:500.000; Platte: 36 x 25,5 cm; Blatt: 44,4 x 30,1 cm; Stadtmuseum Münster, Inv. Nr. GR-0454-2

Der Antwerpener Kartenhändler Abraham Ortelius (1527–1598) kam als erster auf die Idee, eine gebundene Sammlung thematisch zusammenhängender Karten gleichen Formats und gleichen Stils zu veröffentlichen. Erstmals 1570 brachte er sein „Theatrum Orbis Terrarum“ heraus. Das Werk war ein durchschlagender Erfolg und erschien bis 1612 in 42 immer wieder verbesserten und erweiterten Auflagen.

Der hier gezeigte Nachstich der Karte von Gottfried Maschop von 1569 aus dem Atlas des Ortelius ist nordostorientiert. Das Blatt stammt aus der Erstausgabe von 1570, da den Karten der folgenden Auflagen teilweise ein Gradnetz hinzugefügt wurde und z.B. auf der Karte der Bistümer Münster und Osnabrück Orte nachgetragen wurden, die auf diesem Exemplar noch nicht eingezeichnet sind. Die Karte hat links unten eine Legende, darunter einen dreifachen Meilenmaßstab. Links unten zeigt eine Windrose die Orientierung an.

Die Karte ist durch das Gewässernetz gegliedert. Geländeformation und Bodendeckung sind durch sparsame „Maulwurfshügel“ und Baumsignaturen angegeben. Die Orte sind – wie bei der Ausgabe der Karte von de Jode – durch unterschiedliche Signaturen und Schriftarten in ihrer Größe und Bedeutung charakterisiert. Zusätzlich werden die unterschiedlichen Signaturen in der lateinischen Legende erklärt. Territorialgrenzen sind durch feine gepunktete Linien angegeben. Die Namen der Territorien – in deutsch-lateinischer Sprache – sind typographisch deutlich hervorgehoben. Bei dem Exemplar der Karte des Stadtmuseums wird die Unterscheidung der Territorien noch durch die Kolorierung unterstützt.

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