Alte Landkarten

Das ganze Land auf einen Blick – frühe Karten des Bistums Münster

von Dr. Rita Kauder-Steiniger

Schlechte Herberge, grobes Brot, dünnes Bier, lange Meilen gibt es in Westfalen; wer es nicht glauben will, laufe da.

Schlechte Herberge, grobes Brot, dünnes Bier, lange Meilen gibt es in Westfalen; wer es nicht glauben will, laufe da.

Die Landkarten des 16. und 17. Jahrhunderts dienten nicht dazu, den kürzesten, schnellsten oder schönsten Weg von A nach B zu finden, sondern sollten dem jeweiligen Herrscher – aber auch z.B. Kaufleuten oder Gelehrten – einen Überblick über Städte, Dörfer, Burgen, Klöster und nicht zuletzt über die Grenzen eines Gebietes ermöglichen. Deshalb wird hier der Frage nach der Genauigkeit der Karten auch nicht nachgegangen. Das ist an anderer Stelle schon ausführlich geschehen (s. Literaturangaben).

Die Kugelgestalt der Erde war seit der Antike bekannt, ebenso die Bestimmung einer Ortslage durch die Angabe geografischer Koordinaten mittels der gedachten Längen- und Breitenkreise um die Erde. Als Nullmeridian, d.h. als der Längenkreis, von dem aus die Zählung in westlicher bzw. östlicher Richtung begann, wurde seit der Antike in weiten Teilen Europas der Meridian angenommen, der durch die Kanarische Insel Ferro (El Hierro) verläuft. Erst 1884 legte man als Nullmeridian international den durch Greenwich in England fest.

Die Kartografen der frühen Neuzeit erarbeiteten ihre Karten nur teilweise durch Landvermessungen vor Ort, sondern konnten in großem Maß auf vorliegende Koordinatentabellen zurückgreifen. Außerdem zogen sie Reiseberichte und Entfernungsangaben zu Rate und führten Korrespondenzen mit Personen der Gegenden, für die sie Karten erstellen wollten.

Die seit 1492 rasch voranschreitende Entdeckung und Eroberung der Neuen Welt hatte den Wunsch nach Karten stark gefördert, um die europäische Expansion wenigstens auf Papier nachvollziehen zu können. Die jetzt entstehenden prächtig gestalteten Schmuckwandkarten dienten der Repräsentation und sollten sichtbares Zeugnis ablegen für die Bildung und Weltoffenheit ihrer Besitzer.

Die Neugier auf die neuen und neuesten Entdeckungen lenkte andererseits aber auch den Blick auf den engeren Umkreis und seine Einordnung in das große Erdgefüge. So entstanden „Kartenbücher“, indem geschäftstüchtige Verleger Karten verschiedener Gebiete sammelten und sie in einheitlichen Formaten, oft mit Namensangabe des Kartografen in Kupferplatten nachstechen ließen – daher stammt der Begriff „abkupfern“. Sie erschienen unter Titeln wie „Theatrum Orbis Terrarum“ (Schauplatz / Abbild der ganzen Welt) oder „Speculum Orbis Terrarum“ (Spiegel / Abbild der ganzen Welt).

Erst Gerhard Mercator benutzte für sein Werk den Titel „Atlas“ nach einem sagenhaften antiken sehr gelehrten König, der den ersten Globus gefertigt haben soll. Mercators „Atlas“ wurde in seiner Zeit so berühmt, dass seitdem ein Kartenwerk, das inhaltlich zusammengehörende Karten in einheitlicher Gestaltung vereint, als Atlas bezeichnet wird. Die Karten und Sammelwerke wurden als schwarz-weiß-Drucke verkauft. Die Kolorierung der Blätter wurde zunächst den Besitzern überlassen. 1618 war der Amsterdamer Verleger Willem Janszoon Blaeu der erste, der in seiner Werkstatt Mitarbeiter beschäftigte, die auf Wunsch die Kolorierung vornahmen.

Gottfried Maschop

Die älteste bekannte Karte des Bistums Münster (zusammen mit dem Bistum Osnabrück) fertigte Gottfried Maschop (auch Godfried Mascop oder Godefrido Mascopius genannt). Über seine Biografie ist nur wenig bekannt. Geboren wurde er vor 1550 wahrscheinlich in Emmerich am Niederrhein. Von 1572 bis 1574 schuf er im Auftrag des Herzogs Julius von Braunschweig-Wolfenbüttel einen Atlas dieses Fürstentums. Ab 1575 stand er als Kartograf im Dienst des Mainzer Fürstbischofs Daniel Brendel von Homburg. Er starb nach 1603.

Die Karte der Bistümer Münster und Osnabrück von 1568 ist das erste von ihm überlieferte Werk. Sie erschien wahrscheinlich unter dem Titel „MONASTERIENSIS ET OSNABRVGENSIS EPISCOPATVS DESCRIPTIO AVCTORE GODEFRIDO MASCOP EMBRICENSE“ (Beschreibung der Bistümer Münster und Osnabrück durch den Verfasser Gottfried Maschop aus Emmerich). Aus Quellen ist zu erschließen, dass sie das Datum 23. August 1568 trug und dem Bischof von Münster und Osnabrück, Johann von Hoya (1529–1574, seit 1553 Fürstbischof von Osnabrück und seit 1566 von Münster), gewidmet war, dem Maschop auch ein Exemplar schenkte. Ein Originalblatt dieser ersten Ausgabe konnte bisher nicht nachgewiesen werden.

Schon am 10. September 1568 gab Maschop einen Neudruck (Reiterata) dieser Karte heraus, ebenfalls mit einer Widmung an den Bischof, gestochen von Remigius Hogenberg. Es handelte sich um einen Kupferstich, zusammengesetzt aus neun Blättern in drei Reihen übereinander mit einer Gesamtgröße von 103,0×79,5 cm. Die Karte war ostorientiert und hatte den Maßstab ca. 1:160.000. Von dieser Auflage war vor dem Zweiten Weltkrieg noch ein Exemplar in der Stadtbibliothek in Breslau vorhanden.

Spätestens 1569 legte Maschop diese Karte erneut auf, aber mit einem verkleinerten Maßstab, nämlich ca. 1:320.000. Von dieser Ausgabe ist bisher ebenfalls kein Exemplar sicher nachgewiesen. Der Erscheinungsort dieser ersten drei Auflagen der Karte ist nicht überliefert, könnte aber Köln gewesen sein. Der Stecher der zweiten Auflage, Remigius Hogenberg, war ein Bruder des Franz Hogenberg, der zusammen mit Georg Braun 1576 in Köln das berühmte Sammelwerk von Stadtansichten „Civitas Orbis Terrarum“ (Städte der Welt) herausgab. Die Ansicht der Stadt Münster in diesem Städtebuch war eine verkleinerte Kopie der Ansicht der Stadt von Südwesten, die auch Remigius Hogenberg 1570 nach einer Zeichnung des Münsteraner Malers Hermann tom Ring gestochen hatte. Die Welt der Spezialisten war offensichtlich schon damals klein, und man arbeitete zusammen.

Die Karte ist heute nur durch Nachstiche in noch einmal verkleinerten Maßstäben bekannt. Die beiden frühesten Nachstiche werden hier vorgestellt:

REITERATA EPICOPATVS MONASTERIENSIS GEOGRAPHICA DESCRIPTIO CVI ADDITA EST ET OSNABRVGENSIS PER GODEFRIDIV MASCHOP EMBRICESEM COSMOGRAP. (Neudruck der geografischen Beschreibung des Bistums Münster, ergänzt durch das Bistum Osnabrück von dem Weltbeschreiber Gottfried Maschop aus Emmerich)

Kupferstich von Johann und Lukas van Doetechum, signiert und datiert 1569, Maßstab ca. 1:558.000; Platte: 35 x 45,3 cm, Blatt: 43,7 x 56,6 cm; Stadtmuseum Münster, Inv. Nr. GR-0453-2

Kupferstich von Johann und Lukas van Doetechum, signiert und datiert 1569, Maßstab ca. 1:558.000; Platte: 35 x 45,3 cm, Blatt: 43,7 x 56,6 cm; Stadtmuseum Münster, Inv. Nr. GR-0453-2

 

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