Circus

Seitdem 1822 mit dem „Westfälischen Merkur“ in Münster regelmäßig (ab 1830 täglich) eine Zeitung erschien, erfahren wir durch illustrierte Anzeigen mehr über die Besuche von Artisten und Schaustellern in Münster, und können uns ein gutes Bild machen von dem, was dem Publikum geboten wurde: u. a. Kunstreiterei, Artistik, Balancekünstler und exotische Tiere.

Anzeige im „Westfälischen Merkur“ vom 31.03.1848

Anzeige im „Westfälischen Merkur“ vom 31.03.1848

Die Vorstellungen fanden meist auf dem Platz vor der 1831 fertig gestellten Aegidiikaserne statt. Einen festen Circusbau gab es in Münster nicht. Allerdings diente, wie man auf einer Postkarte aus dem Jahr 1909 sehen kann, die „Münstersche Festhalle“ Steinfurter Straße 1 – Eigentum der Rolinck-Brauerei – als Gastspielort für Circus- und Varietévorstellungen.

Postkarte, 1897, Stadtmuseum Münster

Postkarte, 1897, Stadtmuseum Münster

 

Mit dem Höhepunkt des Kolonialismus in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war die Neugier auf die fremden Kulturen ferner Länder gewachsen. Zwischen 1870 und 1940 waren „Völkerschauen“ und „Kolonialausstellungen“ in Europa vom Publikum massenhaft besuchte Veranstaltungen. Der Hamburger Carl Hagenbeck, der mit seiner Tierhandlung auch eine Tierschau verbunden hatte, war 1875 mit einer Lappländer-Familie der erste, der „Eingeborene“ nach Deutschland holte, die auf seinem Gelände in ihren typischen Kleidungsstücken, mit ihren Behausungen und bei alltäglichen Verrichtungen bestaunt werden konnten. Die Schau war so erfolgreich, dass sie im Anschluss von Hamburg aus auf Tournee ging. Hagenbeck führte in der Folge weitere Schauen durch und fand Nachahmer. Bei diesen Veranstaltungen ging es dabei aber weniger um Authentizität als um die Befriedigung europäischer Klischees von exotischen Kulturen. In kleinerem Maßstab wurden solche „Völkerschauen“ auch auf Jahrmärkten gezeigt und fanden Eingang in die Circusvorstellungen. Auch in Münster fanden im zoologischen Garten – in vielen Städten bevorzugter Ort für diese „Kolonialausstellungen“ – solche Veranstaltungen statt.

Postkarte, 1897, Stadtmuseum Münster

Postkarte, 1897, Stadtmuseum Münster

 

Brief des Circus Strassburger vom 15.01.1931, Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen, Münster

Brief des Circus Strassburger vom 15.01.1931, Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen, Münster

Im Ersten Weltkrieg und in den 1920er Jahren hatten viele Circusunternehmen mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen. In den 1930er Jahren erholten sie sich und fanden in Deutschland ein begeistertes Publikum. Wenn ein Circus in einer Stadt gastieren wollte, brauchte er dafür eine behördliche Erlaubnis. Wenn das Zelt in Münster auf dem Schlossplatz aufgestellt werden sollte, musste beim Regierungspräsidenten die Genehmigung dafür eingeholt werden. Deshalb finden sich in den Akten der Regierung im Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen, Münster viele entsprechende Briefe der bekanntesten Circusunternehmen der Zeit.

 

 

 

Brief des Circus Sarrasani vom 15.02.1931, Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen, Münster

Brief des Circus Sarrasani vom 15.02.1931, Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen, Münster

Brief des Circus Busch vom 01.09.1939, Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen, Münster

Brief des Circus Busch vom 01.09.1939, Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen, Münster

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Allen war daran gelegen, konkurrenzlos zu spielen, d. h. dass kein anderer Circus kurz vorher am Ort gewesen war bzw. keinesfalls gleichzeitig gastierte. Die Tourneen wurden meist im Winter für die nächste Saison geplant. Die Platzmiete musste im Voraus bezahlt werden, ebenso eine Kaution für eventuell anfallende Aufräum- und Reparaturmaßnahmen für den Fall, dass der Zirkus den Platz nicht sauber und unbeschädigt verlassen würde.

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