25 Jahre Stadtmuseum Münster an der Salzstraße

Teil 2: Das Stadtmuseum Münster von 1989 bis 1998: Der Umzug in die Salzstraße

von Lena Wandkowsky M.A.

Nach seinem Umzug an die Salzstraße im August 1989 wurde das Stadtmuseum Münster ein wichtiger Museumsstandort mit professionellen Bedingungen: Ein besonders beliebter Anziehungspunkt für große und kleine Museumsgäste ist noch heute der in der Schausammlung des Museums wiederaufgebaute Laden Henke mit seiner Einrichtung von 1911, der anlässlich der Neueröffnung im Haus an der Salzstraße präsentiert wird. Um einerseits Lücken im Bestand aufgrund der Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg zu füllen und andererseits aktuellen Themen Rechnung tragen zu können, ist ein beständiger Sammlungszuwachs notwendig. So bleibt die Schausammlung lebendig, denn neben Ideen für neue Sonderausstellungen entstehen so auch ganz neue Themenbereiche.

Das wiederaufgebaute Café Müller um 1993 in Kabinett 31 des Stadtmuseums Münster

Das wiederaufgebaute Café Müller um 1993 in Kabinett 31 des Stadtmuseums Münster

 

Die Schausammlung verändert sich

Am 24. August 1993 wurde das münsterische Café Müller mit seinem markanten Schaufenster und der geschwungenen Theke in weitgehender Rekonstruktion des originalen Zustandes im Stadtmuseum wiederaufgebaut und als Kabinett 31 neu eröffnet. Die Familie Müller betrieb das beliebte Café am Marienplatz von den 1950er Jahren bis Ende des Jahres 1990. Nach seiner Schließung hatte Gisbert Wellerdiek, der Referent des damaligen Oberbürgermeisters Jörg Twenhoven, vorgeschlagen, dem Stadtmuseum die Einrichtung des Cafés zu vermachen. Bei dieser handelt es sich um die einzige erhaltene Ladeneinrichtung der 1950er Jahre in Münster, die zugleich Zeugnis des damals neuartigen Stils „New Look“ ist. Entworfen wurde sie im Jahr 1954 von den münsterischen Architekten Kurt Diening und Hans Rohling. Die Ausstattung des Café Müllers erfolgte ehemals durch die Firma Christenhusz in Münster. Vor dem Wiederaufbau des Cafés im Stadtmuseum wurde das gesamte Ambiente sorgsam von der Restauratorin Edeltraut Bronold restauriert. Sie trug die Lackierungen des Mobiliars Schicht für Schicht ab, um die Originalfarbe aus dem Jahre 1954 wieder zu gewinnen. Die Polsterbezüge wurden nach alten Fotos rekonstruiert und neu gewebt. Durch dieses Kabinett schloss sich der Kreis des präsentierten Sammlungsbestandes von der Nachkriegszeit bis zu den Wirtschaftswunderjahren der 1950er.

Im Jahr 1993 stand in Kabinett 31 noch ein VW-Käfer des Baujahres 1950.

Im Jahr 1993 stand in Kabinett 31 noch ein VW-Käfer des Baujahres 1950.

In dieser Zeit fand auch ein VW-Käfer von 1950 in einer letzten Fahrt seinen Weg in das Stadtmuseum. Mit dem Lastenaufzug musste er bis auf die Dachterrasse transportiert und dann die Treppe zum zweiten Obergeschoss herunter gerollt werden. Heute befindet sich direkt vor dem Eingang zum Café Müller ein etwas späteres Modell aus dem Jahr 1961 mit einem ovalen Heckfenster anstelle eines zweiteiligen sogenannten „Brezelfensters“. Weitere Umgestaltungen und Erweiterungen der Schausammlung sollten in den nächsten Jahren folgen.

Die Zweigmuseen des Stadtmuseums Münster

Haus Rüschhaus bei Nienberge in Münster

Haus Rüschhaus bei Nienberge in Münster

Nachdem Jutta Freifrau von Droste zu Hülshoff das Haus Rüschhaus im Jahr 1979 an die Stadt Münster verkaufte, war es Jahrzehnte lang Zweigmuseum des Stadtmuseums und konnte im Rahmen öffentlicher Führungen besichtigt werden. Es handelt sich um einen nach den Entwürfen von Johann Conrad Schlaun (1695-1773) von 1745 bis 1748 erbauten Landsitz, der zunächst von ihm selbst als Sommersitz bewohnt wurde. 1825 erwarb Freiherr Clemens-August II. von Droste zu Hülshoff, der Vater der Dichterin Annette von Droste-Hülshoff (1797-1848), den Gebäudekomplex. Die Dichterin selbst zog im Jahr 1838, nach dem Tod ihres Vaters, mit ihrer Mutter Therese geb. von Haxthausen und ihrer Schwester Jenny dort ein und bewohnte das Landhaus bis 1846. Im Jahr 2012 wurde das Haus Rüschhaus von der NRW-Stiftung erworben und der im Herbst desselben Jahres gegründeten Annette von Droste zu Hülshoff-Stiftung ab November 2012 für eine museale Nutzung zur Verfügung gestellt.

Der Zwinger an der Promenade in Münster

Der Zwinger an der Promenade in Münster

Das Stadtmuseum erweiterte sich im Jahr 1998 um den Zwinger als zweites Zweigmuseum. Dieser wird seit dem Beschluss des Rates der Stadt Münster im September 1989 als Mahn- und Gedenkstätte genutzt und erinnert an die Opfer der Gewalt und der Kriegsgewalt sowie an die Verfolgung Unschuldiger in Münster. Im Rahmen der „Skulptur Projekte in Münster im Jahr 1987“ installierte Rebecca Horn im Inneren des Zwingers ihr Kunstwerk „Das gegenläufige Konzert“, welches die historische Nutzung des Gebäudes thematisiert und als Mahnmal an die unmenschliche Strafjustiz und den Terror gegen politische Gegner, Angehörige von Minderheiten und Kriegsgefangene während des NS-Regimes erinnert. Im Jahr 1997 wurde das Kunstwerk überarbeitet. Nach einer umfassenden Restaurierung des Gebäudes in den Jahren 1995 bis 1997 stimmte der Stadtrat am 11. Februar 1998 einem Nutzungskonzept des Zwingers unter der Federführung des Stadtmuseums für eine Erprobungsphase bis zum Ende des Jahres zu. Die angebotenen regelmäßigen Führungen für angemeldete Gruppen und Schulklassen fanden großen Zuspruch. In den Sommermonaten wurde das fast 500 Jahre alte Gebäude sonntagnachmittags für einige Stunden auch ohne Führungen öffentlich zugänglich gemacht. Auf Beschluss des Stadtrats wurde der Zwinger am 16. Dezember 1998 dauerhaft zum Zweigmuseum des Stadtmuseums. Dieses nimmt seit 1998 alljährlich am zweiten Sonntag im September am offenen Tag des Denkmals teil. Zusätzlich werden seit 2002 regelmäßige abendliche Taschenlampenführungen durch den Zwinger angeboten. Seit 2007 haben Besucher im Rahmen der jährlichen Veranstaltung „Grünflächen-Unterhaltung“, die Konzerte mit mehr als 100 Musikern an der Promenade darbietet, die Möglichkeit den Zwinger zu besichtigen und an abwechslungsreichen Führungen teilzunehmen.

 

Erfolgreiche Ausstellungen bis 1998 im Stadtmuseum Münster

Seit Eröffnung des Stadtmuseums an der Salzstraße wurden zahlreiche erfolgreiche Ausstellungen mit unterschiedlichsten Schwerpunkten präsentiert:

Im Jahr 1992 wurde die Ausstellung „Otto Modersohn in und um Münster“ zum Publikumsmagneten. Im Mittelpunkt standen die Schaffensjahre des Malers von 1884 bis 1889, in denen er in Münster lebte und zahlreiche Landschaftsmalereien schuf. Das Gemälde „Sommerfreuden“ befindet sich seit 2002 dank der Unterstützung der Nordrhein-Westfalen Stiftung und des Mecklenbecker Geschichts- und Heimatkreises in der Schausammlung des Stadtmuseums.

Der um 1613 hergestellte Goldschmiedeschild wird in Kabinett 8 des Stadtmuseums gezeigt.

Der um 1613 hergestellte Goldschmiedeschild wird in Kabinett 8 des Stadtmuseums gezeigt.

Die Ausstellung „Gold und Silber aus Münster“ präsentierte im Jahr 1993 erstmals wieder den lang verschollenen Schild der münsterische Goldschmiedegilde von 1613 der Öffentlichkeit. Dank großer Anstrengung des heutigen Fördervereins Stadtmuseum Münster e.V. und mit Unterstützung zahlreicher Stifter konnte er für das Stadtmuseum erworben werden.

In der Sonderausstellung „Bitte … zeichne mir ein Schaf“ wurden im Jahr 1995 Bilder zahlreicher namenhafter Künstler ausgestellt, die am Ende der Ausstellung zugunsten der Kinderkrebshilfe versteigert wurden.

Anlässlich der 350. Wiederkehr des Westfälischen Friedens eröffnete am 30. Januar 1998 die bis dahin erfolgreichste Ausstellung „30-jähriger Krieg, Münster und der Westfälische Frieden“ im Stadtmuseum Münster. Diese wurde bis zum 18. Oktober 1998 mit über 120.000 Gästen besucht. Sie gab einen Einblick in die münsterischen Ereignisse während der Zeit der Friedensverhandlungen und zeigte bedeutende Leihgaben, unter anderem zahlreiche Waffen und Rüstungen aus dem 17. Jahrhundert, Darstellungen der historischen Geschehnisse auf Gemälden, Kupferstichen, Medaillen und Kaminplatten oder zeitgenössische Schilderungen der eingereisten Friedensgesandten.

 

Eine neue Museumleitung für das Stadtmuseum Münster

Der Vorsitzender des Fördervereins Stadtmuseum Münster e.V. Jochen Herwig verabschiedet Hans Galen am 31. Juli 1998 im Stadtmuseum.

Der Vorsitzender des Fördervereins Stadtmuseum Münster e.V. Jochen Herwig verabschiedet Hans Galen am 31. Juli 1998 im Stadtmuseum.

Nachdem Hans Galen dem Stadtmuseum nahezu 20 Jahre als leitender Direktor vorstand und die Entwicklung des Hauses gelenkt hatte, wurde er am 31. Juli 1998 von Jochen Herwig, dem Ersten Vorsitzenden des heutigen Fördervereins Stadtmuseum Münster e.V., verabschiedet.

 

 

 

 

 

Die Beigeordnete für Kultur Helga Boldt begrüßt die zukünftige Leiterin des Museums Dr. Barbara Rommé.

Die Beigeordnete für Kultur Helga Boldt begrüßt die zukünftige Leiterin des Museums Dr. Barbara Rommé.

Am 1. Oktober 1998 begrüßte die damalige Beigeordnete für Kultur Helga Boldt im Auftrag der Stadt Münster die Kunsthistorikern Dr. Barbara Rommé, die seitdem das Stadtmuseum leitet.

 

 

 

 

 

weiterführende Literatur

Geschichte der Stadt Münster im Stadtmuseum Münster. Münster 1989, hrsg. v. Hans Galen.

Gold und Silber in Münster. Meisterwerke münsterischer Goldschmiedekunst vom 14. bis zum 20. Jahrhundert, Münster 1993, hrsg. v. Hans Galen.

30jähriger Krieg, Münster und der Westfälische Frieden, in zwei Bänden, Bd. 1: Krieg / Bd. 2: Frieden, Münster 1998, hrsg. v. Hans Galen.

Der Zwinger – Bollwerk, Kunstwerk, Mahnmal, Münster 2007, hrsg. v. Barbara Rommé.

 

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