„Es ist Fried“

Die Sehnsucht nach dem Frieden zum Ende des Dreißigjährigen Kriegs

Von Anne-Greta Pagel

 Das Stadtmuseum Münster freut sich über einen Neuzugang in seiner Sammlung: ein illustriertes Flugblatt von 1648 zum Ende des Dreißigjährigen Kriegs! Gedruckt und verlegt wurde es in Ulm von dem Kupferstecher und Kunsthändler Matthäus Rembold, der von etwa 1622 bis 1664 dort und in Stuttgart tätig war. Es ist „allen Christlichen und Friedliebenden Hertzen“ gewidmet und mit der hoffnungsvollen und dankbaren Aussage „Es ist Fried“ betitelt. Das Flugblatt kombiniert Text und Bild und zeigt zentral einen Kupferstich.

Flugblatt 1648

Flugblatt 1648

 

Auf dem Kupferstich ist eine Frau mit einer Lanze und einem Ölzweig in denHänden zu erkennen, die über das Schlachtfeld geschritten kommt. Mit einem Fuß tritt sie triumphierend auf einen am Boden liegenden Mann in Rüstung, neben dem ein zerbrochenes Schwert liegt. Während im Vordergrund auf dem sonst menschenleeren Schlachtfeld zerstörte Waffen und Standarten, ein Harnisch und ein brennender Wagen an den vorausgegangenen Krieg erinnern, sind in der Ferne üppige Felder und Händler mit einem beladenen Pferdefuhrwerk dargestellt. Über allem auf einer Wolke thronend wacht Gott über das Geschehen. Das Bild ist eine Allegorie auf den Westfälischen Frieden: Die Frau ist die römische Friedensgöttin Pax, die über den Krieg triumphiert. Auch ihre Attribute, der Ölzweig und die Lanze, symbolisieren den Frieden. Die Waffen des Kriegs sind niedergestreckt und unter dem Schutz des Herrn soll der friedliche Alltag für die Menschen wieder einkehren.

Flugblatt 1648

Flugblatt 1648

 

Inhaltlich setzt sich das Flugblatt aus vier ‚Sprüchen’ zusammen, die auf Bibelpsalmen basieren: einem „FriedensSpruch“, einem „FrewdenSpruch“, einem „LobSpruch“ und einem „BußSpruch“. Flugblätter waren zur Zeit des Dreißigjährigen Kriegs ein wichtiges Medium zur Verbreitung von Nachrichten und Neuigkeiten, sie nahmen häufig kritisch Bezug zu Politik und aktuellen Ereignissen und hatten hinsichtlich der öffentlichen Meinungsbildung eine nicht zu unterschätzende Wirkung. Durch diese Art von Publizistik, die inhaltlich meist eine eindeutige Position bezog und appellativen Charakter besaß, konnte ein großes und relativ breites Publikum erreicht werden. Eine Vielzahl der Flugblätter zum Dreißigjährigen Krieg drückt Sehnsucht nach einem Ende der Feindseligkeiten und den Wunsch nach Frieden aus. Insbesondere in der protestantischen Friedensliteratur, zu der das 1648 verlegte Flugblatt von Matthäus Rembold gehört, ging am Ende der Friedensverhandlungen der Jubel über das Ende des Kriegs mit Aufrufen zu Buße und Dankbarkeit einher. Ganz zu Beginn erinnert deshalb der Psalm 46:6–7 an die Allmacht Gottes, der sowohl straft als auch Gnade walten lässt und den Frieden schenkt: „Kommet her und schawet die Werck deß Herren, der auff Erden solch Zerstören anrichtet, der den Kriegen stewret in aller Welt, der Bogen zerbricht, Spieß zerschlägt, und Waegen mit Fewr verbrennet.“

Signatur

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Weiterführende Literatur
–         Brecht, Martin: Evangelische Friedensliteratur. Der Bußruf Johann Rists, in: Bußmann, Klaus/Schilling, Heinz (Hrsg.): 1648: Krieg und Frieden in Europa. Münster/Osnabrück 24.10.1998–17.01.1999 (Katalog zur 26. Europaratsausstellung), Textband 1, Münster 1998, S. 251–258.
–         Bußmann, Klaus/Schilling, Heinz (Hrsg.): 1648: Krieg und Frieden in Europa. Münster/Osnabrück 24.10.1998–17.01.1999 (Katalog zur 26. Europaratsausstellung), Ausstellungskatalog in 2 Bde., Münster 1998, hier S. 223.
–         Harms, Wolfgang: Das illustrierte Flugblatt als meinungsbildendes Medium in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges, in: Bußmann, Klaus/Schilling, Heinz (Hrsg.) 1648 – Krieg und Frieden in Europa. Münster/Osnabrück 24.10.1998–17.01.1999 (Katalog zur 26. Europaratsausstellung), Textband 1, Münster 1998, S. 323–327.
–         Harms, Wolfgang u.a. (Hrsg.): Illustrierte Flugblätter des Barock. Eine Auswahl (Deutsche Neudrucke, Reihe Barock 30), Tübingen 1983, S. 148.
–         Kreis Unna (Hrsg.): Bilder und Szenen des Friedens zwischen Antike und Gegenwart, Unna 1988, S. 135 und 242.
–         Rosseaux, Ulrich: Die Kipper und Wipper als publizistisches Ereignis (1620–1626) Eine Studie zu den Strukturen öffentlicher Kommunikation im Zeitalter des Dreißigjährigen Krieges, Berlin 2001.
–         Wäscher, Hermann: Das deutsche illustrierte Flugblatt, Bd. 1, Dresden 1955.

 

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