25 Jahre Stadtmuseum Münster an der Salzstraße

Teil 1: Die Gründung des Stadtmuseums

von Lena Wandkowsky

In diesem Jahr feiert das Stadtmuseum Münster sein 25-jähriges Bestehen an der Salzstraße. Zuvor befand es sich seit 1979 in der Gerling-Villa an der Windthorststraße 26. Nach Jahren der Ausstellungstätigkeit wurde 1989 das neue Museum an der Salzstraße in einem Neubau hinter einer historischen Kaufhausfassade aus dem Jahr 1910/1911 eröffnet. Dort konnte den Münsteranerinnen und Münsteranern endlich auch ein chronologischer Rundgang durch die Stadtgeschichte geboten werden. Doch warum hat das Stadtmuseum seinen Standort gewechselt, und wie ist es eigentlich entstanden?

Ein Stadtmuseum für Münster

Gerling Villa 1970er Jahre

Gerling Villa 1970er Jahre

 

 

 

 

 

 

 

Aufgrund der räumlich begrenzten Verhältnisse in der Gerling-Villa war es nicht möglich, die Bestände geschlossen und in einer chronologischen Präsentation zu zeigen. Größere Raumensembles wie das Café Müller oder der Laden Henke hätten am alten Standort mit seinen denkmalgeschützten Räumen keinen Platz gefunden, weshalb von Anfang an der Bau eines größeren Museumsgebäudes geplant war. Zudem wurden auch Depots, Restaurierungsräume und Werkstätten benötigt.

Im geschichtsbewussten 19. Jahrhundert gründeten viele deutsche Städte stadtgeschichtliche Museen. Anders jedoch war dies in Münster – hier entstand erstaunlicherweise kein Museum. Erst in den 1970er Jahren wuchs das Interesse an einer musealen Darstellung der münsterischen Geschichte, und der Ruf nach einem Stadtmuseum wurde laut. 1978 schlug der Rechtsanwalt Dr. Luger Baumeister als Sprecher münsterischer Bürger vor, „die Stadt solle Träger eines neu zu gründenden stadtgeschichtlichen Museums werden, zu dessen Entwicklung nach dem Gründungsbeschluß von Rat und Verwaltung ein Verein zur Förderung eines Museums für münsterische Stadt- und Kulturgeschichte die bürgerschaftlichen Unterstützung zusammenfassen sollte“. Tatsächlich gründete sich noch im gleichen Jahr der Verein, der seit 2009 „Förderverein Stadtmuseum Münster e.V.“ heißt. Am 30. Mai 1979 wurde der Oberstudienrat des Johann-Conrad-Schlaun-Gymnasiums Hans Galen auf Beschluss des Rates der Stadt Münster als hauptamtliche Fachkraft für den Aufbau einer Sammlung, für die Erarbeitung einer Museumskonzeption und zur Vorbereitung von Ausstellungen zur Stadtgeschichte eingestellt. Mit der Gründung des „Büros münsterisches Stadtmuseum“ am 19. Juni 1979 nahm das Museumsprojekt erste Gestalt an. Hans Galen trat sein Amt noch ohne Sammlung und Museumsgebäude an. Erst Mitte November siedelte das Büro dann in das Gebäude an der Windthorststraße 26 über.

 

Erster Museumsbau an der Windthorststraße

Die Anfänge einer Sammlung

Wie geht man vor, wenn man nicht auf eine vorhandene Sammlung zurückgreifen kann? Denn es fehlte an Belegstücken für die meisten Epochen und durch den Zweiten Weltkrieg war Münster größtenteils zerstört worden. Für die Sammlung musste eine Konzeption entworfen werden. Folgende Leitlinie sah Hans Galen für das Stadtmuseum vor: Die Schausammlung soll die Geschichte der topographischen Entwicklung Münsters anhand von Modellen, Plänen und Ansichten veranschaulichen. Nach dieser Richtlinie wurde nun Schritt für Schritt eine Sammlung zusammen getragen. Dabei reichte das Spektrum von Postkarten bis zu wertvollen Kunstwerken.

Gemäldetransport

Gemäldetransport

 

 

 

 

 

 

 

Es handelte sich um Stiftungen, Vermächtnisse, langfristige Leihgaben aus Privatbesitz oder Ankäufe. Besondere Unterstützung erhielt das Stadtmuseum durch den Verein des Museums.

 Christuskopf

Christuskopf

Eines der ersten Objekte war der 1979 im Rahmen der Hörstertor-Funde in Münster aufgefundene Christuskopf.

Um Lücken schließen und somit Stadtgeschichte umfassend darstellen zu können, war und ist das Stadtmuseum stets auf Neuerwerbungen angewiesen.

Zum ersten Mal Museumsluft schnuppern konnten 1980 Interessierte in der Präsentation „Erwerbungen 80“. Gezeigt wurden die ersten Ankäufe des Vereins und der eigens zusammengetragene Kunstbesitz der Stadt Münster.

 

Erste Ausstellung „Die Wiedertäufer in Münster“

Offiziell wurde das Stadtmuseum am 1. Oktober 1982 mit der ersten äußerst erfolgreichen Ausstellung „Die Wiedertäufer in Münster“ eröffnet.

Katalog - Wiedertäufer in Münster

Katalog – Wiedertäufer in Münster

Bereits sechs Wochen nach Ausstellungsbeginn zählte man die 10.000. Besucherin und der Katalog erlebte fünf Auflagen. Das für die Ausstellung eigens vom Förderverein finanzierte Modell Münster 1536 ist bis heute in der Schausammlung des Stadtmuseums zu sehen. Noch im gleichen Jahr wurde bereits der Bau eines neuen Museumsgebäudes beschlossen, um eine größere Sammlung aufbauen zu können. Eine weitere bedeutsame Ausstellung ist die Präsentation „Münster 800-1800. Tausend Jahre Geschichte der Stadt“ aus dem Jahr 1984, die erstmals die Geschichte der Stadt Münster von den Anfängen bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts in einer Zusammenschau präsentierte und das Museumskonzept Hans Galens veranschaulichte.

Ein Museum zieht um – das neue Stadtmuseum an der Salzstraße

Mit der Ausstellung „Der Westfälische Frieden“ im Jahre 1988 endet die Zeit des Stadtmuseums in der Gerling-Villa. Auch diese Ausstellung war ein großer Publikumsmagnet.

Nach intensiver Standortsuche und umfangreichen Planungen der Stadt Münster sowie wurde mit Unterstützung junger Kaufleute an der Salzstraße das alte Karstadt-Kaufhaus als Standort für ein neues Stadtmuseum ausgewählt. Der Architekt des Museum Rainer M. Kresing bemerkte hierzu treffend: „Das Alte Kaufhaus bildet seit jeher den Eingang zu einer spannungsreichen Symbiose. Seine Neugestaltung verlangte eine Lösung, die dem münsterischen Kern entspricht und dennoch deutlich ein neues Zeichen setzt. Es wurde daher ein Gebäude geplant, das unter Beibehaltung der alten Kaufhausfassade durch einfachste gestalterische Mittel der Funktion sowohl des kommerziellen Teils als auch des Museums gerecht wird.“ Am 8. Juli 1987 wurde der Grundstein für den neuen Museumsbau gelegt.

Grundsteinlegung Galen und Wawrowsky

Grundsteinlegung Galen und Wawrowsky

 

 

 

 

 

 

Die Bauarbeiten des heutigen Salzhofes mit Museum nahmen ihren Anfang. Zunächst wurde nach aufwändiger Sicherung der Fassade das Gebäude des ehemaligen Karstadt-Möbelhauses durch eine Sprengung entkernt.

Rückseite Kaufhausfassade mit Bauzaun

Rückseite Kaufhausfassade mit Bauzaun

 

 

 

 

 

 

 

1988 entwarfen der münsterische Architekt Rainer M. Kresing und der englische Professor Michael Brawne eine neue Innenraumgestaltung. Sie setzten Bauwerk, Raum und Objekt miteinander in Beziehung. Die neue Innenraumarchitektur nimmt dabei Bezug auf den Erbdrostenhof. Im Grundriss des Museumsfoyers ist die „geniale Kurvatur“ wieder abstrakt aufgegriffen. Die öffentlich zugänglichen Bereiche des Museums unterscheiden in Räume für die Schausammlung und Sonderausstellungen sowie ein museumspädagogisches Zentrum. „Das Museumsgebäude und die Einrichtung, die den Hintergrund für diese historischen Ausstellungsgegenstände bildet, müssen deshalb so klar wie möglich Auskunft geben und – wenn nötig – durch Erklärungen der unterschiedlichsten Art Hilfestellung leisten.“ So fasste der Architekt des Museums Michael Brawne seine Konzeption der Innenraumgestaltung zusammen. Obwohl das Gebäude an der Salzstraße 1988 noch eine große Baustelle war, übergab der damalige Oberbürgermeister Dr. Jörg Twenhöven im März 1988 in einer symbolischen Geste dem Bauherrn Alfred Sass und dem Museumsleiter Hans Galen den Schlüssel für das neue Stadtmuseum.

Schlüsselübergabe mit Alfred Sass, Hans Galen und Dr. Jörg Twenhöven

Schlüsselübergabe mit Alfred Sass, Hans Galen und Dr. Jörg Twenhöven

 

 

 

 

 

 

 

Im Aufbau begriffen waren verschiedenste Raumabteilungen wie das Museumsfoyer oder der Fürstenbergsaal als Ausstellungsraum.

Baustelle Fürstenbergsaal

Baustelle Fürstenbergsaal

 

 

 

 

 

 

 

Auch ein Gemäldemagazin wurde im Keller eingerichtet. Heute besitzt das Stadtmuseum bereits ein zweites.

Gemäldemagazin

Gemäldemagazin

 

 

 

 

 

 

Ein besonderes Merkmal des Salzhofes ist die Rotunde in seinem Zentrum. Zum Erdgeschoss liegen ringsherum Einzelhandelsgeschäfte sowie der direkte Zugang zum Museumsfoyer. Zu den oberen Geschossen ist um diesen durchsichtigen Lichthof herum die Museumssammlung angeordnet.

1989 war es dann soweit: Am 31. August wurde das Stadtmuseum an der Salzstraße neu eröffnet. Die Öffentlichkeit nahm das Haus mit Begeisterung auf. Und mit diesem Team rund um Hans Galen startete das Stadtmuseum in die neue Phase.

Teamfoto 1989

Teamfoto 1989

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