Das Elisabet-Ney-Zimmer

Die Auflösung des Drei-Frauen-Museums

Seit Beginn des Jahres 1936 war die Stadt Münster Pächterin von Haus Rüschhaus, wohin am Ende jenes Jahres die Bestände zu Annette von Droste-Hülshoff aus dem Drei-Frauen-Museum überführt wurden. Es ist anzunehmen, dass mit dem Umzug der Droste-Abteilung auch die Auflösung der beiden übrigen kleineren Museumsräume einherging, ohne dass dies besondere Erwähnung in Zeitungen oder anderen Publikationen gefunden hätte. Die Stadt Münster vermietete nach der Museumsauflösung die nun frei gewordenen Räumlichkeiten in der Johanniterkommende an den Wein- und Spiritushändler Schulze-Föcking weiter, bis sie das seit 1929 bestehende Mietverhältnis mit der fürstlichen Verwaltung Bentheim-Steinfurt zum 31. Oktober 1938 schließlich kündigte. Bereits im Juni 1938 meldeten sich zahlreiche Mietinteressenten bei der fürstlichen Verwaltung: Es waren vornehmlich Privatpersonen und höhere Beamte.

Der Tod Eugen Müller-Münsters im Jahr 1935 mag zur Museumsauflösung beigetragen haben. Zumindest ist nicht bekannt, dass es eine Diskussion um den Erhalt der Museumsräume gegeben hat. In den Tageszeitungen wird nicht mehr über das Drei-Frauen-Museum berichtet. Vermutlich wurde es Ende 1936 oder Anfang 1937 endgültig aufgelöst. Über den organisatorischen Ablauf der Auflösung des Museums sowie über den Verbleib der Objekte aus den beiden Museumsbereichen Elisabet Ney und der Fürstin Gallitzin ist indes nichts bekannt. Auch über die Rückführung einzelner Objekte zu ihren Besitzern lässt sich keine gesicherte Aussage treffen.

Die Münstersche Wochenschau von 1939 widmet unter dem Titel „Berühmt und doch fast vergessen“ nahezu eine Seite dem Leben und Werk der Bildhauerin und verweist am Ende des Beitrages auf „eine Erinnerungssammlung zu ihrem Gedächtnis“ auf dem Bohlweg in Münster, „wo Elisabeth Ney geboren wurde“. Die Quellen widerlegen jedoch diese Angabe. Elisabet Ney wurde nachweislich im Martiniviertel getauft. Damals war es üblich, dass man in dem Viertel getauft wurde, in dem man auch geboren wurde. Daher ist anzunehmen, dass Elisabet Ney im Martiniviertel geboren wurde. Somit ist der Hinweis der heutigen Gedächtnistafel am Gebäude Bohlweg Nr. 34, Ecke Piusallee, dass sich an dieser Stelle einst das Geburtshaus der Bildhauerin befunden habe, nicht richtig. Es handelte sich vielmehr um das 1844 errichtete und von Adam Ney mit seiner Familie bezogene Haus mit Werkstatt (vgl. Beitrag Brepohl, Abb. 3, und Beitrag Tiemann, Ney, in diesem Band). Etwaige Werke dieser Erinnerungssammlung könnten also durchaus auch vom Vater stammen.

Leider ist festzuhalten, dass über den Verbleib der Werke von Elisabet Ney in Münster nur in wenigen Fällen Genaueres bekannt ist. Das Porträt der Bildhauerin von der mit ihr befreundeten Malerin Johanna Kapp befindet sich heute im Landesmuseum Münster. Dem Bericht Eugen Müller-Münsters zufolge soll es ursprünglich eine Leihgabe des Sanitätsrates Lueder gewesen sein. In den Zugangsbüchern lässt sich keine entsprechende Eintragung nachweisen. Im Gegensatz dazu sind die übrigen Leihgaben Lueders und seiner Tochter Mims Niedieck heute nicht mehr auffindbar. Offenbar sind sie nie zur Familie zurückgeführt worden. Mims Niedieck bemühte sich in der unmittelbaren Nachkriegszeit um Kontaktaufnahme zu Personen in Texas, die die Bildhauerin kannten oder ihr nahestanden. In einem Brief vom 28. März 1948 an ein Fräulein Campton teilt sie mit, dass ihre Schwester das Goldarmband des Königs von Hannover, das ein Geschenk an Elisabet Ney gewesen sei, besitze und sie selbst das Achatarmband von Giuseppe Garibaldi, ebenfalls einst ein Geschenk an die Künstlerin. „Alle anderen Andenken sind in dem Stadtmuseum Münster“ – ein erstaunlicher Hinweis, da das Drei-Frauen-Museum zu diesem Zeitpunkt nicht mehr existierte und die Gebäude der ehemaligen Johanniterkommende im Zweiten Weltkrieg weitgehend zerstört wurden. Mims Niedieck, wohnhaft in Bochum-Langendreer, war ganz offensichtlich nicht über diese Entwicklungen und das Ausmaß der Zerstörungen Münsters im Zweiten Weltkrieg informiert. Anscheinend war ihr Vater – er verstarb 1947 – auch nicht über den Verbleib seiner einstigen Leihgaben für das Elisabet-Ney-Zimmer informiert, sonst hätte er sicherlich seine Tochter darüber in Kenntnis gesetzt. Im Oktober 1948 – Mims Niedieck hatte zwischenzeitlich offenbar Nachforschungen betrieben – schreibt sie an Mrs. Rutland – Willie B. Rutland, von 1927 bis 1967 Direktorin des Elisabet Ney Museums in Austin: „In Muenster ist, nach meinen Erkundigungen, leider das Elisabet Ney Zimmer im Museum, das durch Bomben zerstört ist, mit vernichtet, ich hoffe aber, daß die Andenken in Sicherheit gebracht worden sind […]“ (HRC Austin, Box 5–10, Brief vom 30. Oktober 1948). Leider hat sich diese Hoffnung bislang als trügerisch erwiesen. Auch die Aufrufe des Stadtmuseums Münster an die Bevölkerung haben keine dieser Werke wieder zutage gebracht.

Archivalien: Harry Ransom Humanities Research Center, The University of Texas at Austin (HRC Austin), HRC Box 5–10, Briefe vom 4. Februar 1948, 28. März 1948, 30. Oktober 1948 und HRC Box 5–11, Brief vom 6. November 1957; Burgsteinfurt: Archiv Fürst zu Bentheim und Steinfurt, Vermietung Kommende 1928–1938, G 2947.
Literatur: Münsterischer Anzeiger 1932c; Münsterischer Anzeiger 1932a; Münstersche Wochenschau 1939; Westfälische Landeszeitung 1931; Volkswille 1931; Bergenthal 1932; Vereinigung Westfälischer Museen 1933; Ditt 1988; Müller 1932a; Müller 1932b; Müller 1932c; Müller 1933a; Müller 1933b; Müller 1933c; Müller 1933d; Die christliche Frau 1934.

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