Das Elisabet-Ney-Zimmer

 

Die ausgestellten Objekte

Die im Elisabet-Ney-Raum gezeigten Objekte wurden von Privatsammlern zur Verfügung gestellt. Dem engagierten Lokalhistoriker und Ney-Biographen Eugen Müller-Münster (1851–1935) oblag die Konzeption und Betreuung des Ney-Zimmers (vgl. Beitrag Kauder-Steiniger in diesem Band). Besonderer Blickfang dieses Raumes war das Hauptwerk der Bildhauerin: die Knabengruppe Sursum, eine Leihgabe des Sanitätsrats Joseph Lueder (1863–1947). Im Herbst 1931 übersiedelte er von Münster nach Bad Sachsa in den Südharz und überließ der Stadt allzu gern zahlreiche seiner schweren Bildwerke Neys als Leihgaben. Darunter befanden sich neben Sursum eine Madonna mit dem Jesuskind, ferner die 1865 auf Caprera gefertigte Büste des italienischen Freiheitskämpfers Giuseppe Garibaldi (1807–1882) und eine Büste des preußischen Ministerpräsidenten Otto von Bismarck (1815–1898) aus dem Jahr 1867. Die beiden letztgenannten Werke der Bildhauerin waren 1867 auf der Weltausstellung in Paris zu sehen. Des weiteren lieh Lueder das 1903 in Austin entstandene Selbstbildnis der Künstlerin aus, eine Büste des Berliner Chemieprofessors Eilhard Mitscherlich (1794–1863), ein Sphinxbildwerk sowie eine Plastik einer liegenden Bulldogge. Zudem überließ er dem Museum ein Gemälde der jungen Malerin Johanna Kapp aus der Zeit um 1853, das die befreundete Bildhauerin Elisabet Ney im Alter von etwa zwanzig Jahren zeigt.

Man mag sich fragen, wie der Sanitätsrat überhaupt in den Besitz so zahlreicher Werke der Bildhauerin gelangt ist. Die erhaltene Korrespondenz zeugt von einem sehr innigen Verhältnis zwischen der Bildhauerin und dem Ehepaar Lueder. Beide Familien waren entfernt miteinander verwandt und standen in regem Kontakt zueinander. So mag sich die Sammeltätigkeit Lueders auf die persönliche Wertschätzung der Bildhauerin gründen.

Fotografie der Familie Lueder, Foto: DeGolyer Library, Southern Methodist University, Dallas/Texas

Fotografie der Familie Lueder, Foto: DeGolyer Library, Southern Methodist University, Dallas/Texas

 

Die übrigen ausgestellten Objekte der Bildhauerin wurden von Angehörigen des westfälischen Adels und anderen privaten Leihgebern zur Einrichtung des Ney-Raums zur Verfügung gestellt. Zu sehen waren eine Büste König Georgs V. von Hannover (1819–1878) und zwei Entwürfe zu einem Denkmal Franz von Fürstenbergs (1729–1810).

Das Elisabeth-Ney-Zimmer, Fotomontage

Das Elisabeth-Ney-Zimmer, Fotomontage

 

Darüber hinaus war laut Aussage Eugen Müller-Münsters auch eine Kinderbüste ausgestellt. Leider ist sie auf der historischen Fotografie, die einen Einblick in das Ney-Zimmer gewährt, nicht zu sehen, so dass wir uns kein Bild von ihr machen können. Es stellt sich die Frage, ob sie womöglich identisch ist mit der jüngst auf einer Auktion bei Sotheby’s angebotenen und vom Stadtmuseum Münster erworbenen Marmorbüste eines Kindes aus dem Jahr 1865. Des weiteren waren die den Grafen Clemens August von Westphalen (1805–1885) darstellende Büste und seine Statuette zu sehen, beide heute erhalten (die Büste im LWL-Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Münster, die Statuette in Privatbesitz) und in dieser Ausstellung im Stadtmuseum Münster ausgestellt.

Es wurden im Elisabet-Ney-Raum auch Werke anderer Künstler gezeigt, die Elisabet Ney darstellen oder Bezug auf sie nehmen. Der uns lediglich als Postinspektor H. Bäumer aus Düsseldorf bekannte Sammler lieh ein Gemälde aus, das die junge Bildhauerin darstellt. Dieses Bild ist dem berühmten Porträt der Künstlerin von Friedrich Kaulbach (1822–1903) sehr ähnlich (heute im Niedersächsischen Landesmuseum Hannover). Kaulbach hat 1859/1860 die Bildhauerin während ihrer Arbeit an der Büste Georgs V. von Hannover in voller Körpergröße dargestellt. Ob das im Drei-Frauen-Museum ausgestellte Gemälde, das von dem in Hannover aufbewahrten abweicht – es ist kleiner und zeigt die Künstlerin nicht in ganzer Körpergröße, auch fehlt die Büste Georgs V. im Hintergrund – eine Zweitausfertigung von Friedrich Kaulbach selbst ist oder eine Kopie von anderer Hand, darüber lassen sich nur Vermutungen anstellen. Die Recherchen nach dem Verbleib des Bildes oder nach möglichen Nachfahren des damaligen Besitzers sind leider ohne Ergebnis geblieben. In einer Fenstervitrine waren zudem Originalbriefe Elisabet Neys, Briefe Edmund Montgomerys (1835–1911) und Bücher – heute z.T. verstreut in Archiven und Bibliotheken in Europa und den USA – ausgestellt.

Entwurf für das Fürstenberg-Denkmal, 1859/1861, heute verschollen

Entwurf für das Fürstenberg-Denkmal, 1859/1861, heute verschollen

 

 

Am 11. August 1933 berichtet Eugen Müller-Münster im Münsterischen Anzeiger über neue Objektzugänge im Elisabet-Ney-Zimmer. So soll Mims Niedieck, die Tochter des Sanitätsrates Lueder, den Schreibtisch der Bildhauerin zur Verfügung gestellt haben, Stadtarchiv und Landesmuseum haben Originalbriefe der Bildhauerin ausgeliehen, die Bildhauerin Leonhardt-Culemann aus Hannover habe Müller-Münster eine Bleistiftzeichnung, die Elisabet Ney im Alter von 26 Jahre darstellt, geschenkt. Und Müller-Münster selbst habe, so der Artikel, die „charaktervolle Schopenhauer-Büste“ der Bildhauerin käuflich erworben. Über die Einrichtung des Ney-Zimmers und seine Eröffnung hinaus war Eugen Müller-Münster weiterhin stets darum bemüht, die Erinnerung an die Bildhauerin in der Öffentlichkeit aufrechtzuerhalten. Doch aufgrund der beengten Räumlichkeiten war es nicht möglich, „alle in der Stadt noch im Privatbesitz befindlichen Erinnerungsstücke“ unterzubringen. Leider ist nicht bekannt, um welche Objekte es sich gehandelt hat und ob sie sich erhalten haben.

 

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