Der Servatiiplatz

Stadttor, Gartenanlage, Verkehrsknotenpunkt

Von Dr. Rita Kauder-Steiniger

Wo heute der Servatiiplatz liegt, mündete im Mittelalter der für den Handel mit Salz und Eisen wichtige Fernweg aus Soest in die mit Wall, Mauer und Graben befestigte Stadt. Das Servatiitor, durch das die Straße in die Stadt hineingeführt wurde, stand dort, wo heute Klosterstraße und Winkelstraße von der Salzstraße abzweigen, d. h. unmittelbar vor dem Eingang des Stadtmuseums.

Ab der Mitte des 14. Jahrhunderts wurde die erste Stadtbefestigung durch einen Außenwall und einen zweiten Außengraben verstärkt. Später folgten erst Rundelle, dann Schanzen vor den Stadttoren.

ServatiiplatzNach 1763 begann man mit der Niederlegung der Befestigungsanlagen. Auf dem ehemaligen Außenwall wurde die bis heute bestehende Promenade angelegt. Der Außengraben blieb zunächst erhalten. Die Schanzen wurden meist zu Grünflächen. Seit den 1850er Jahren wurde auch der äußere Stadtgraben weitgehend zugeschüttet und überbaut. Anfang der 1890er Jahre wurden dann die verbliebenen Reste von Gräben, Schanzen und Wällen parkähnlich gestaltet. Den Resten der Servatiischanze galt hier ein besonderes Augenmerk. Durch die Eingemeindung von 1875 wurde es in den 1880er und 1890er Jahren möglich, die Eisenbahntrassen zu bündeln, hoch zu legen und einen Hauptbahnhof zu erbauen. Zum Hauptverbindungsweg zwischen Bahnhofsvorstadt und Altstadt wurde der Servatiiplatz ausgebaut. Es entwickelte sich hier ein Gebiet mit großstädtischem Flair. Die evangelische Kirchengemeinde trug mit ihrer ersten neu erbauten Kirche (1898–1900) in Münster zur repräsentativen Gestaltung des Platzes bei: Die Fassade der Erlöserkirche an der Eisenbahnstraße war dem Servatiiplatz zugewandt.

Erlöserkirche

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Bebauung um den Servatiiplatz durch Bomben stark beschädigt oder ganz zerstört. Beim Wiederaufbau verlor der ohnehin schon immer uneinheitlich bebaute und von Straßen durchzogene Platz an der nordöstlichen Seite weiter an Geschlossenheit: Die Erlöserkirche wurde 1949/1950 nur als kleine Notkirche ohne repräsentative Fassade wieder errichtet. Statt der die Salzstraße flankierenden Bebauung zwischen Promenade und Eisenbahnstraße entstand 1960 mit dem Iduna-Hochhaus nebst vorgelagertem Pavillon ein in eine eigene kleine Platzanlage eingebettetes Ensemble, das an dieser Stelle einen modernen städtebaulichen Akzent setzte. Die parkähnlich gestaltete Grünanlage mit dem Brunnen auf der gegenüberliegenden Straßenseite wurde durch die Begradigung der Engelstraße – heute Von-Vincke-Straße – erheblich verkleinert. Die Brunnenanlage fiel dieser Maßnahme zum Opfer und findet sich in völlig veränderter Form jetzt vor dem Iduna-Hochhaus wieder. Heute wird der einstige Platz – aufgezehrt durch breite, verkehrsreiche Straßen und einen Parkplatz – eher als riesige Kreuzung wahrgenommen.

Servatii-Platz

Rückblick zu unserer Ausstellung vom 14. November 2009 bis 28. Februar 2010: http://www.muenster.de/stadt/museum/archiv_servatiiplatz.html

 


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