90. Jubiläum der internationalen Freiballonwettfahrt Münster 1930

Von Michael Goran

Postkarte, unbekannter Fotograf, Druck, 1930, unbeschrieben
Stadtmuseum Münster; Foto: Stadtmuseum Münster

Obwohl sie riesig und zahlreich waren, überragte sie sie alle: Die LZ 127 „Graf Zeppelin“ wirkte wie ein Gigant unter Giganten, als sie über den prallgefüllten Freiballons über der Loddenheide schwebte. Zum Anlass der internationalen Freiballonwettfahrt vom 15. Juni 1930, traten gleich 30 Ballone mit ihren Piloten auf der Loddenheide an. Es galt damals als das größte luftsportliche Ereignis des Kontinents. Am 15. Juni 2020 jährte sich dieser besondere Tag im münsterischen Luftsport nun zum 90. Male. Im Fundus des Stadtmuseums Münster befinden sich mehrere historische Postkarten, die dieses Großereignis fotografisch dokumentieren.

Im Jahre 1909 gründete sich am 25. Juli der Luftfahrtverein Münster. Das Ziel: Münster zu einem „Stützpunkt der Aviatik“ zu machen. Dank der geografischen Position und der vorliegenden Gegebenheiten wird das Gebiet der Loddenheide als ideal für fliegerische Aktivitäten angesehen.

Schon 1911 veranstaltete der Luftfahrtverein Münster den ersten müsterischen Flugtag auf dem Areal. Diese Veranstaltungen wurden mit den Jahren immer größer und entwickelten sich zu regelrechten Volksfesten. Teil der Flugtage waren Volksbelustigungen wie Tanz, Karussel und Kirmestrubel.

Der am 18. Oktober 1909 gegründete Luftschifffahrtverein für Münster und das Münsterland e.V. nutzte ebenfalls die Loddenheide. So bestand in der Mitte des Gebiets eine Ankervorrichtung um den Bedürfnissen der Motorluftschifffahrt gerecht zu werden. Das erste Luftschiff in Münster war die „Viktoria Luise“, die sich am 9. Juni 1912 tausenden von begeisterten Münsteranern präsentierte. Bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs organisierte der Luftfahrtverein Münster Flugtage auf der Loddenheide. Nach dem Ersten Weltkrieg, kamen die Flieger und Flugbegeisterten wieder zusammen und gründeten um 1919/20 den Flugverein Münster e.V. Schon 1921 konnte wieder ein Flugtag stattfinden. Ein Jahr später schlossen sich Flugverein und Luftschifffahrtverein zur Luftfahrtvereinigung für Münster und Münsterland e.V. zusammen. Georg Sperlich, Oberbürgermeister von Münster in den Jahren 1920 bis 1932, wurde Ehrenvorsitzender des neuen Vereins.

Postkarte, unbekannter Fotograf, Druck, 3. Bildpostkartenserie des Deutschen Luftfahrtverbandes e.V., 1930, unbeschrieben, Stadtmuseum Münster; Foto: Stadtmuseum Münster

Die Aktivitäten des neuen Vereins wurden nun größer. 1923 kam eine Fliegerschule dazu. Mit der Verstärkung der zivilen Luftverkehrsverbindungen kamen 1926 ein Clubhaus und umfangreiche Werbeaktionen für die Luftfahrt hinzu. Weitere Flugtage folgten. Um eine gewerbsmäßige Fliegerei ausüben zu können, gründete die Vereinigung schließlich die Luftverkehrsgesellschaft Münster GmbH. Mitgesellschafter waren Stadtverwaltung, Industrie- und Handelskammer, sowie diverse Industriebetriebe. Die Geschäftsführung blieb jedoch in der Hand der Luftfahrtvereinigung. Die Gesellschaft verfügte zunächst über zwei Doppeldecker der Marke Dietrich-Gobiet AG. Später schafft man noch eine 20 PS Maschine der Firma Klemm an. Die Maschinen wurden nicht nur für die Flugschule genutzt, sondern fanden ihren Einsatz auch an den Flugtagen.

Durch die Kombination der luftsportorientierten Luftfahrtvereinigung mit der kommerziellen GmbH blühte die münsterische Luftfahrt auf. Im Bereich von Nord- und Mitteldeutschland waren ihre fliegerischen Aktivitäten führend. Es folgen Weltrekordflüge und eine Erweiterung in die Segelfliegerei.

Die Flugtage („Volksflugtage“) wurden dann zu den Höhepunkten der fliegerischen Aktivitäten. Kaum ein Sonntag verging in Münster und im Münsterland ohne eine Flugveranstaltung. Die Piloten praktizierten das Kettenfliegen und den Kunstflug. Beim Ballonrammen galt es mit einem Flugzeug einen kleinen Ballon zu rammen und ihn so zum Platzen zu bringen. Zu den Aktionen gesellten sich auch Segelflüge und Fallschirmsprünge.

Am 15. Juni 1930 kam es schließlich es zum größten Flugtag in Münster vor dem Zweiten Weltkrieg. 30 Ballone und 13 Flugzeuge nahmen teil. Als Höhepunkt schwebte das Luftschiff „Graf Zeppelin“, mit der Kennnummer D-LZ 127, über der Loddenheide und den aufgebauten Ballons. Von einer Fahrt nach Süd- und Nordamerika zurückgekehrt war das Luftschiff von Friedrichshafen gekommen um zur internationalen Freiballonwettfahrt am Himmel über Münster zu erscheinen.

Postkarte, Foto von Ernst Krahn, Münster, Fotoabzug 1930
Stadtmuseum Münster; Foto: Stadtmuseum Münster

Über 100.000 Menschen sahen bei dem Großereignis zu, wie die Ballone in den Himmel stiegen. Darunter waren auch die münsterischen Ballone Münster IV bis VII. Unter den Piloten waren Ferdinand Eimermacher, der durch spektakuläre Ballonfahrten bekannt geworden war und sich bis zu seinem Tod im März 1961 für das Ballonfahren einsetzte, sowie der Veranstalter der Wettfahrt F. Pratje.

Sieger der Wettfahrt am 15. Juni 1930 wurden die Ballone „Hollandia“ und „Köln“, die jeweils eine Strecke von rund 300 Kilometern zurücklegten. Für die „LZ 127“ sollte es nicht der letzte Besuch in Münster sein.

Quellen und Literatur:
Ernst Kühl, 50 Jahre Sportfliegen in Münster. Das schöne Münster Neue Folge Heft 24, Münster 1960, S. 1–14.
Festschrift für die Freiballon-Wettfahrt Münster i.W. am 15. Juni 1930, Münster 1930, S. 21–24.
Münster im Flugverkehr, Das Schöne Münster, 2. Jg., 11. Heft Oktober, Münster 1929.
Münsterische Zeitung vom 29. August 1980.

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