Der weltberühmte Herr Alexander

Das erstaunliche Leben des Zauberkünstlers Alexander Heimbürger aus Münster

Von Dr. Bernd Thier und Robin Thier

Gemeint ist der in Münster geborene Johann Friedrich Alexander Heimbürger (1819–1909), der zu den berühmtesten Magiern des 19. Jahrhunderts gehörte und dessen besonderer Verdienst es war, die hohe Kunst der Zauberei von den Jahrmarktsbuden auf die Theaterbühnen gebracht und die Zauberei „salonfähig“ gemacht zu haben.

Alexander Heimbürger

Alexander Heimbürger, Lithographie von E. Davignon nach einer Daguerreotypie von P. Haas, nach: The Sphinx. An independent monthly magazine für magicians, 8. Jg., September 1909, Privatbesitz

 

 

 


 

 

 

Bescheidene Anfänge

Die beeindruckende internationale Karriere des Magiers begann 1835, als der Auftritt des Wiener Zauberkünstlers Ludwig Döbler im münsterischen Theater den damals 16-jährigen, aus einfachen Verhältnissen stammenden Heimbürger so sehr beeindruckte, dass er beschloss das „Zauberhandwerk“ zu erlernen. Da der Junge schon von klein auf Interesse an Mechanik und Physik zeigte, erwarb er nun Literatur über Zauberei, experimentierte und lernte Kartentricks.

Wenig später, 1839, lernte er den „Budenzauberer“ Friedrich Becker kennen und bewarb sich bei ihm als Assistent. Später nahm er bei seinem Debütauftritt in Hannover sicherheitshalber den Künstlernamen Herr Alexander an. In Hamburg feierte er 1840 erst mäßige, dann grandiose Erfolge und machte sich, nun finanziell abgesichert, selbständig. Spektakuläre Tricks wie der Fang einer Gewehrkugel oder das Entzünden von 200 Kerzen durch einen Pistolenschuss trugen maßgeblich zu seinem Erfolg bei.

Alexander Heimbürger

Herr Alexander, Foto, um 1895, aus: Die Zauberwelt, 3. Jg., Nr. 2, 1. Februar 1897, Privatbesitz

„Weltkarriere“ in Amerika

In den 1840er und 1850er Jahren tourte Heimbürger, damals erst 24 Jahre alt, durch ganz Amerika, um dort „reich und berühmt“ zu werden. Sein damals 14-jähriger Bruder August begleitete ihn. Allein in New York gab er über 60 Vorstellungen. Schon 1847 ließ er dort auf eigene Kosten eine Gedenkmedaille auf sich prägen, die er an Freunde und Gönner verschenkte.

Medaille

Medaille auf Herrn Alexander, New York, Kupfer vergoldet, Dm 2,9 cm, Stadtmuseum Münster, Inv. Nr. MZ-MD-00512

Er beeindruckte mit seiner Zauberei nicht nur den damaligen Präsidenten der USA, James Polk (1795–1849), sondern auch Herman Melville (1819–1891), der Herrn Alexander 1851 in seinem Roman Moby Dick erwähnte. Heimbürger lernte Spanisch und Portugiesisch und reiste weiter nach Mexiko, Guatemala, Panama, Argentinien, Chile und 1852 nach Brasilien, wo er mehrfach vor dem dortigen Kaiser auftrat.

Menschen, die „zaubern“ können, die das Unmögliche möglich machen, übten schon immer eine besondere Anziehungskraft auf ihre Mitmenschen aus. Bereits in der Antike und im Mittelalter wurden „zauberhafte“ Kunststücke vorgeführt, die sich nicht erklären ließen. Die Tricks hatten dabei vielfach kriminelle Ursprünge: Falschspieler, Taschendiebe und fingerfertige Gaukler erfreuten Besucher von Jahrmärkten oder Messen unter freiem Himmel oder in kleinen Buden. Die „hohe“ Zauberkunst, die durch Tricks unterhaltsame Illusionen entstehen lässt und vor allem von der Inszenierung sowie der „Magie“ und der Aura des jeweiligen Zauberkünstlers lebt, wurde im erst späten 18. Jahrhundert entwickelt. Stilvoll gekleidete Bühnenmagier wie Jean Eugène Robert-Houdin (1805–1871), John Henry Anderson (1814–1874) und Alexander Heimbürger etablierten die Zauberei neben den klassischen Künsten auf den Theaterbühnen und in den Salons der feinen Gesellschaft.

Um besonders beeindruckende Illusionen zu liefern, steckte Heimbürger als Herr Alexander große Teile seines Verdienstes in neue Apparate und Ausstattungsgegenstände. Weiterhin experimentierte er mit Elektrizität, perfektionierte seine Auftritte und erfand immer spektakulärere Programmpunkte: Das Wunder von Hindustan bzw. Das in der Luft schwebende Kind war weltweit die erste „Schwebe“- (Levitations-)Nummer. Auch die Hervorbringung eines wunderschönen kleinen Mädchens aus einem Ei, das Erscheinen von Wasserschalen und Blumen aus dem Nichts oder Die Geisterglocke führten dazu, dass sein Name auf dem amerikanischen Kontinent bekannt wurde und er enorme Einnahmen verzeichnete.

Häufige Erkrankungen aufgrund der schlechten hygienischen Zustände und des ständig wechselnden Klimas auf seinen Reisen zwangen ihn schließlich zurück in seine Heimatstadt.

55 Jahre „Ruhestand“ in Münster

Wieder in Münster setzte sich Heimbürger 1853 im Alter von 35 Jahren mit einem stattlichen Vermögen zur Ruhe und heiratete fünf Jahre später Anna Schalle, die jedoch kurz darauf starb. Er bewohnte ein Haus am Krummen Timpen.

Wohnhaus

Wohnhaus Alexander Heimbürgers in Münster, Krummer Timpen 16, Aufnahme um 1930, LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen

1861 heiratete er Elisabeth Vogelsang und hatte mit ihr insgesamt zehn Kinder. Die Zauberei praktizierte er nur noch wenig. Gelegentlich trat er noch bei Wohltätigkeitsveranstaltungen auf, war Mitglied im Civilclub, organisierte Feste und Aufführungen und nahm am gesellschaftlichen Leben Münsters teil. Weiterhin nutzte er seine Zeit, indem er seine Biographie und ein Lehrbuch für junge Zauberer verfasste.

Im Jahre 1903 besuchte der bekannte Entfesselungskünstler Harry Houdini (1874–1926) Heimbürger in Münster, und berichtete darüber in einen Artikel in einer amerikanischen Magier-Zeitschrift.

mit Houdini

Alexander Heimbürger und Harry Houdini in Münster 1903, Privatbesitz

 

Im Alter von 89 Jahren verstarb Herr Alexander am 25. Juli 1909. Das Grab des Bühnenmagiers befindet sich bis heute auf dem Zentralfriedhof in Münster.

Grabstätte

Grabstätte Alexander Heimbürgers auf dem Zentralfriedhof in Münster, Aufnahme 2009

Im Jahre 2009 würdigte ihn das Stadtmuseum anlässlich seines 100. Todestages mit einer kleinen, auch überregional viel beachteten Ausstellung. http://www.muenster.de/stadt/museum/archiv_heimbuerger.html

Weiteres auch unter: http://de.wikipedia.org/wiki/Alexander_Heimbürger

 

 

 

 

 

Bücher von Alexander Heimbürger
Alexander Heimbürger, Ein moderner Zauberer, Tagebuchblätter, mit einer Einleitung von Dr. Levin Schücking, Münster, 2 Bände 1882 (Kommentierter Nachdruck: Quellen und Studien zur Geschichte der Vergnügungskultur / Memoirenbibliothek, hg. von Stephan Oettermann und Lars Rebehn, Band 1, Gerolzhofen 2009)
Alexander Heimbürger, Das Zauberbuch, herausgegeben von der Redaktion des guten Kameraden Stuttgart 1901, weitere Auflagen u.a. 1913 (Illustrierte Taschenbücher für die Jugend 16) und 1925.
weiterführende Literatur
Joseph Vaders, Ein Münsteraner am brasilianischen Kaiserhofe, in: Unsere Heimat, Beiträge zur Geschichte des Münsterlandes und der Nachbargebiete 3, 1928, S. 10–12, 21–22.
Joseph Vaders, Seereisen eines alten Münsteraners, in: Unsere Heimat, Beiträge zur Geschichte des Münsterlandes und der Nachbargebiete 5, 1930, S. 38–40, 42–44.
Alexander Arion, Der Welt berühmtester Zauberer, in: Westfälische Nachrichten vom 27.7.1959.
Walter Werland, Das war „Herr Alexander“ „ Der moderne Zauberer“, in: Westfälische Nachrichten vom 26.2.1982.
Werner Johannsen, Alexander Heimbürger „Bezaubert“ Salomon Heine – Ein Beitrag zur Vergnügungskultur im alten Hamburg, in: Hamburgische Geschichts- und Heimatblätter 15, Heft 4, 2005, S. 81–91.

 


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